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Timm-Kröger-Schule : Schule ohne Noten spaltet Gemüter

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

An der Timm-Kröger-Schule wurde am Mittwochabend über das Thema Grundschule ohne Noten diskutiert.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 05:15 Uhr

Neumünster | Seit dem 1. August können Grundschulen in Schleswig-Holstein ganz auf Noten verzichten. Bei vielen Eltern sorgt der Erlass für Verunsicherung. Um mehr Klarheit über die Folgen einer notenfreien Grundschule zu schaffen, hatte die Schulleiterin der Timm-Kröger-Schule, Martina Behm-Kresin, am Mittwoch zu einem Informationsabend eingeladen. Gudrun Schroeder vom Grundschullehrerverband hielt einen Vortrag über die Bedeutung von Noten in der Grundschule.

Die Referentin begann mit einem Blick in die Geschichte. Ein Notensystem gab es in Deutschland erstmals um 1850, als die Menschen fürs Militär und die Arbeit in den Fabriken vorbereitet werden sollten. Es ging um Anpassung, selbstständiges Denken war nicht gefragt. Der gesellschaftliche Leistungsbegriff war produkt-, konkurrenz- und ausleseorientiert. Auch heute soll Schule Kinder auf eine erfolgreiche Teilhabe an der Gesellschaft vorbereiten. Aber die Gesellschaft hat sich längst geändert. Querdenken ist gefragt und so hat auch Schule den Auftrag, Kinder in ihrer Kritikfähigkeit und in der Übernahme von Verantwortung für sich und andere zu fördern. Im Schulgesetz von 2012 sei dies sehr differenziert dargestellt, so Schroeder in ihrem Vortrag.

„Mit der Pisa-Studie kamen die Kompetenzen in die Schulen“, formulierte die ehemalige Lehrerin eine weitere große Veränderung. Nun waren Sach-, Methoden- und Sozialkompetenzen gefragt. Aber wie sollen sie mit einer Note zensiert werden? „Kinder kommen als kompetente Lerner auf die Welt“, stellte Gudrun Schroeder fest. Sie wollen etwas leisten und sie wollen sich vergleichen. Kinder brauchen Aufgaben, an denen sie wachsen können und Erfolge, um Lust auf mehr Lehrinhalte zu bekommen. Zensuren können da kontraproduktiv sein. Damit gehen wichtige Lernchancen verloren, denn sie bestrafen Fehler und sind ein informationsarmes Messinstrument, das auf die wenigsten Lerninhalte passt. „Statt Noten zu vergeben, sollte man Verbalbeurteilungen, wie etwa Kompetenzraster oder Berichtszeugnisse verfassen“, plädierte Gudrun Schroeder.

Viele der 50 Besucher schienen überzeugt. „Aber wie werden die Kinder auf die Gymnasien vorbereitet“, lautete eine Frage aus dem Publikum. „Schieben Sie die Diskussion an“, ermunterte Schulleiterin Martina Behm-Kresin: „Einzig an den Gymnasien wird bereits ab der fünften Klasse benotet. Wir befinden uns momentan in einer Veränderung der Lernkultur“.


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