Neumünster : Schule gesucht für Schutzkonzept

Arbeiten Hand in Hand für Prävention: Mo-Corazon Seehawer (Notruf), Schulrat Jan Stargardt, Ursula Schele (Petze), Till Pfaff (Kinderschutzbund), Thomas Wittje (Kinder und Jugendarbeit), Urte Kringel (Pro Familia) und Jörg Leppin (EHKS).
Arbeiten Hand in Hand für Prävention: Mo-Corazon Seehawer (Notruf), Schulrat Jan Stargardt, Ursula Schele (Petze), Till Pfaff (Kinderschutzbund), Thomas Wittje (Kinder und Jugendarbeit), Urte Kringel (Pro Familia) und Jörg Leppin (EHKS).

Sechs Institutionen wollen sexuelle Bildung und Prävention von sexueller Gewalt strukturell in der Schule verankern

shz.de von
14. Juni 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Sechs Institutionen haben einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, um ein umfassendes Präventions- und Schutzkonzept gegen sexuelle Gewalt zu entwickeln. Jetzt wird eine Schule gesucht, die ein solches Konzept mit erarbeiten und realisieren möchte.

„Sexuelle Gewalt – egal ob verbaler oder körperlicher Natur – ist an allen Schulen Thema, natürlich auch in Neumünster“, sagt Schulrat Jan Stargardt. Das Konzept solle allerdings nicht erarbeitet werden, weil ein so dringender Handlungsbedarf bestehe, sondern „weil präventiv zu arbeiten wichtig ist“, so Stargardt.

Studien zu sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen belegen, dass in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder sitzen, die im engen sozialen Umfeld oder in der Familie sexuellen Missbrauch erlitten haben. „Fast ein Drittel der Neunt- und Zehntklässler war schon einmal sexuellen Übergriffen ausgesetzt und der Tatort war sehr oft der Schulhof“, erklärt Ursula Schele vom Präventionsbüro Petze. Das Problem sei, dass das Thema tabuisiert werde, die Dunkelziffer sei weitaus höher, so Ursula Schele weiter. Die Kooperation soll das Tabu durchbrechen. Eng verzahnt wollen das Präventionsbüro, der Kinderschutzbund, die Awo-Beratungsstelle Pro Familia, der Notruf Neumünster, die Fachschule für Sozialpädagogik der Elly-Heuss-Knapp-Schule und die Kinder- und Jugendarbeit der Stadt zusammenarbeiten und Schulen begleiten, die ein Schutzkonzept an ihrer Schule umsetzen wollen.

Aber was muss eine Schule an Voraussetzungen mitbringen? „Eine Schulleitung, die das Thema sexuelle Bildung und Prävention von sexueller Gewalt strukturell in der Schule verankern will, und ein offenes Lehrerkollegium“, sagt Schele.

Neben Lehrerfortbildungen sollen spezifische Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt werden. Es soll zudem Fortbildungen mit Gleichaltrigen geben, bei denen angehende Erzieher der Elly-Heuss-Knapp-Schule mit den Schülern über das Thema sexuelle Gewalt sprechen.

Schulen können sich mit dem Schulrat Jan Stargardt in Verbindung setzen. „Ich werde das Thema bei der nächsten Schulleiter-Dienstversammlung noch einmal vorstellen und es soll noch vor den Sommerferien eine Schule gefunden werden“, so der Schulrat.

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