Holstenköste in Neumünster : Schuften statt Schwofen

Als Schausteller in fünfter Generation ist Julian Horlbeck das Arbeiten am Wochenende gewöhnt.
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Als Schausteller in fünfter Generation ist Julian Horlbeck das Arbeiten am Wochenende gewöhnt.

Arbeiten, wenn andere feiern: Schausteller sind das gewöhnt / Spaß macht der Kontakt zu Menschen

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10. Juni 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Die Holzkohlen glühen durch, Imke van der Veen häufelt sie an. Wie heiß ist ihr Arbeitsplatz? Die 49-Jährige aus Bad Zwischenahn kann es nur schätzen: „Vielleicht 60 Grad, vielleicht mehr.“ Die Steakhaus-Chefin, die ihren Stand auf der Teichbrücke hat, ist eine von vielen Schaustellern, die auf der Holstenköste dann arbeiten, wenn andere feiern.

„Das kenne ich mein Leben lang, ich bin selbstständig, und am Wochenende zu arbeiten, ist die Regel“, sagt sie. Sie ist zum zweiten Mal auf dem Stadtfest: „Letztes Jahr war die Resonanz gut.“ Bekommt sie überhaupt etwas von der Köste mit? „Heute Abend kommen noch zwei Mitarbeiter, da werde ich mit meiner Freundin ein eisgekühltes Sektchen nehmen und ein bisschen über die Köste gehen.“ Gegen die Hitze hilft nur viel trinken – und „man muss nicht aufs Klo, denn das schwitzt man gleich wieder aus“, sagt sie lachend. Den Ausgleich zur Arbeit auf dem Stadtfest finde sie zu Hause mit den Kindern und beim Spaziergang mit Mann Claus und zwei Hunden. Sonnenbrandverdächtig ist der Arbeitsplatz von Kareno Reimer und seiner Frau Stefanie: In praller Sonne bestückt der Chef der Stofftier-Verlosungs-Firma die Regale mit Plüschelefanten, -teddies und Einhörnern. „Wir fahren noch die Rollmarkise aus, aber wir haben es total heiß. Da hilft nur gut eincremen und viel Kaltes trinken“, sagen sie. Arbeiten auf der Köste sei kein Problem: „Nachmittags ist es nett, weil da Familienpublikum kommt. Abends, wenn die Leute angeheitert oder mehr sind, ist es ein bisschen nervig.“

„Ich bin Schausteller in fünfter Generation, das Arbeiten an Wochenenden bin ich gewöhnt. Es wäre etwas verkehrt, wenn mir das nicht Spaß bringen würde“, sagt Julian Horlbeck (24) vom „Veggie-House“. Seine Eltern sind ebenfalls auf der Köste – mit einem Schwenkgrill. „Was ich ausgesprochen gerne mache, ist den Menschen zuzuhören, um zu schauen, ob die Leute zufrieden mit der Köste sind“, sagt er.

Hat er Ausgleich? „Das ist schwer zu sagen, denn der Betrieb ist das Leben. Wenn ich mal Zeit habe, mache ich mit meiner Frau und meinem drei Monate alten Kind einen Ausflug ans Wasser oder in den Tierpark.“

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