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Geschichtswettbewerb : Schülerinnen erforschen die Geschichte der Anscharkirche

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Tita Melina Hammann und Sarah Kowald gewinnen beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten

Neumünster | „Ein Augenzeuge berichtete, wie der Kirchturm wie eine Fackel loderte und dann auf das Dach der Kirche fiel und zerschlug. Alle Möbelstücke der Kirche sind verbrannt.“ Diese dramatische Schilderung von der Zerstörung der Anscharkirche am 25. Oktober 1944 durch einen Bombenangriff haben Tita Melina Hammann (16) und Sarah Kowald (17) aus historischen Quellen „ausgegraben“. Mit ihrem Porträt der Anscharkirche haben die zwei Schülerinnen der Grund- und Gemeinschaftsschule Einfeld beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten „Gott und die Welt. Religion macht Geschichte“ als einzige Neumünsteraner einen Landessieg errungen.

„Wir fanden den Wettbewerb total interessant. Die Anscharkirche ist ein atemberaubendes Gebäude, wir finden es erstaunlich, dass man sich die Kirche, wenn man nur das Äußere des Gebäudes sieht, komplett anders vorstellt, als sie im Inneren wirklich ist. Sie sieht innen viel moderner aus als man vermutet“, begründet Tita Melina die Auswahl des Themas. Die zwei Schülerinnen der Realschulklasse 10  b waren nicht die einzigen, die sich am Wettbewerb beteiligten – auch andere Schüler beschäftigten sich mit entsprechenden Themen. Ihr Deutsch- und Geschichtslehrer Tim Steiner hatte sie auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht. „Wichtig war, dass die eingereichten Mappen einen regionalen oder persönlichen Bezug haben“, betont Steiner. Seit 1973 richten die Hamburger Körber-Stiftung und das Bundespräsidialamt den Geschichtswettbewerb aus, der bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte wecken soll. Insgesamt 250 Landessiege (250 Euro) und 250 Förderpreise (100 Euro) werden vergeben. Bundesweit 1639 Beiträge wurden eingereicht.

Die zwei Schülerinnen legten im Dezember los und forschten sowohl im Internet als auch im Stadtarchiv, informierten sich über die Vorgeschichte, die Zerstörung und den Wiederaufbau, machten sich schlau über die Kirchenfenster und den Offenbarungsaltar, schlugen nach und erarbeiteten ein Konzept. „So viel haben wir im Internet gar nicht gefunden, das Stadtarchiv war viel ergiebiger. Da gab es komplette Bücher über die Anscharkirche“, erzählen die zwei. Manches war auch in alter deutscher Schrift gedruckt: „Am Anfang war das schwer zu lesen, aber dann konnte man sich das zusammenreimen“, sagt Sarah.

Aufgegliedert ist ihr Kirchenportrait in mehrere Kapitel. Zu lesen ist, dass die Anscharkirche, die 1913 als zweitgrößte Kirche der Stadt eingeweiht wurde, entstand, weil das bisherige Gemeindehaus aus allen Nähten platzte. „Zu dem Anwachsen der Fabrikarbeiterschaft kamen durch die Verlegung des Eisenbahnausbesserungswerks der Reichsbahn nach Neumünster weitere Einwohner hinzu. 1910 gab es etwa 42  000 evangelische Christen in Neumünsters Kirchengemeinde“, zitieren die Zwei historische Quellen. Sie schildern ebenfalls die damaligen hitzigen Diskussionen über Baustil und Stellung von Turm und Altar und lassen so die Geschichte lebendig werden. Eines ist aber kurios: Bei ihren Recherchen waren sie kein einziges Mal in der Anscharkirche. „Wir haben uns es aber jetzt vorgenommen.“

Dass sie gleich bei ihrer ersten Teilnahme an einem Wettbewerb gewonnen haben, war eine ziemliche Überraschung. „Wir haben nicht damit gerechnet, haben uns aber total drüber gefreut“, sagen die zwei. Sie werden am 17. Juli im Landtag in Kiel ausgezeichnet.

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erstellt am 03.Jun.2017 | 18:00 Uhr

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