Schüler thematisieren psychische Krankheiten

Sprachlos auf allen Ebenen: Während sich der Psychiater (Finn Brendel) um den Ruf seiner Klinik kümmert und nur die eigene Karriere im Kopf hat, verharrt seine Patientin (Lara Jones) in einer Fantasiewelt.
Sprachlos auf allen Ebenen: Während sich der Psychiater (Finn Brendel) um den Ruf seiner Klinik kümmert und nur die eigene Karriere im Kopf hat, verharrt seine Patientin (Lara Jones) in einer Fantasiewelt.

shz.de von
03. März 2016, 11:08 Uhr

Düster, bedrohlich, fesselnd. Märchen sind manchmal so. Unsere Vorstellung von psychischen Krankheiten auch. An der Gemeinschaftsschule Faldera haben 30 Oberstufenschüler aus dem Kursus Darstellendes Spiel beide Welten miteinander verwoben und daraus sieben Szenen für die Bühne entwickelt. Heute und morgen präsentieren sie das Ergebnis in der schuleigenen Aula. Gestern wurde hier noch fleißig unter der kritischen Obhut der beiden Lehrer Ingo Schlünzen und Christian Herzberg geprobt.

„Die einzelnen Szenen stehen. Sie müssen nur noch in die richtige Reihenfolge gebracht werden“, sagte Janne Baldauf. Die Schülerin des 13. Jahrgangs ist mitverantwortlich für die Regie und damit für die dramaturgisch kluge Verschränkung der Szenen, die allesamt eine psychische Krankheit thematisieren. Schizophrenie, Realitätsverlust oder Mikrophobie – die Oberstufenschüler haben verschiedene Phobien unter die Lupe genommen. Eindrucksvoll und irritierend stellen sie die Symptome auf der Bühne dar. Schwarz gekleidete Statisten nähern sich langsam der „erkrankten“ Darstellerin und bringen deren Ängste vor äußerer Bedrohung allein durch ihre Körpersprache zum Ausdruck. Spontan improvisierte Musik von Yannik Bockelmann am Schlagzeug und Marvin Gödicke an der E-Gitarre verstärken die ausweglose Situation der Erkrankten. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als sich in Parallelwelten zu flüchten.

Und hier kommen die Märchen in Spiel. Bei den sieben Zwergen muss sich die „schizophrene“ Darstellerin ihrer Krankheit stellen. „Wir haben Märchenwelten als Orte gewählt, in denen sich psychisch kranke Menschen ihre eigenen Realitäten schaffen, weil diese Fantasiewelten mit wenig Requisiten darstellbar sind“, erklärte Darstellerin Lara Jones. „Und weil uns das Thema Märchen als gute Klammer für die einzelnen Szenen erschien“, ergänzte Finn Brendel, der die Rolle des eitlen Psychiaters wunderbar ausfüllt. Ihn verblüffe es immer wieder aufs Neue, mit welcher Ernsthaftigkeit und Kreativität, die Schüler ihr Projekt verfolgten, freute sich Ingo Schlünzen: „Man muss sie nur anstupsen, und schon sprühen sie vor Ideen.“

„Märchenhaft?“ wird heute und morgen jeweils um 19 Uhr auf der Bühne der Gemeinschaftsschule Faldera an der Franz-Wieman-Straße gezeigt. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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