Elly-Heuss-Knapp-Schule : Schüler suchen Alternativen zum Krieg

Otmar Steinbicker (links), Journalist und Friedensaktivist aus Aachen und Professor Dr. Joachim Krause, Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik der Uni Kiel, haben unterschiedliche Ansichten.
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Otmar Steinbicker (links), Journalist und Friedensaktivist aus Aachen und Professor Dr. Joachim Krause, Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik der Uni Kiel, haben unterschiedliche Ansichten.

Der 12. Jahrgang der Elly-Heuss-Knapp-Schule beschäftigte sich mit den Ursachen und Folgen militärischer Konflikte.

shz.de von
08. September 2017, 12:00 Uhr

Neumünster | Für rund 120 Schüler des 12. Jahrgangs der Elly-Heuss-Knapp-Schule stand gestern ein ernstes Thema auf dem Stundenplan. In Zusammenarbeit mit dem Friedensforum der Stadt fand dort zum vierten Mal der sogenannte Antikriegstag statt. Die Schüler setzten sich in verschiedenen Kursen und Vorträgen mit der Leitfrage auseinander, ob es „Alternativen zu Rüstung und Krieg“ gibt.

„Die Schüler politisieren sich wieder. Das Gefühl, in einer sicheren Blase zu leben, schwindet langsam“, sagte der Organisator der Veranstaltung und Lehrer für Gemeinschaftskunde, Malte Erhardt. Das bestätigte die Schülerin Nina Marie Gerigk (22), die zusammen mit zwölf weiteren Schülern in einem Kursus viel über Kriegsursachen erfahren hat. „Ich lebe nicht täglich mit der Angst vor Krieg, fürchte aber mehr als früher den Einsatz von Nuklearwaffen“, erklärte die Schulsprecherin. Daher hat sie sich gemeinsam mit Shinda Musa (20) das Land Korea vorgeknöpft, um in Recherchearbeit mehr über Historie und Strukturen des Landes zu lernen. „Das Lernziel ist die Erkenntnis, wie vielfältig und verknüpft Kriegsursachen sein können“, sagte Lehrer Jörg Wendeborn.

In einem anderen von insgesamt acht Kursen ging es um „Medizinische Versorgung in Kriegsgebieten“. „Sie werden mit Bildern von Verletzungen rechnen müssen, an die sie im Traum nicht gedacht haben. Wir sind hier nicht in der Situation, auf Minen und Waffen zu treffen“, warnte Lehrerin Sandra Trapp die 20 Teilnehmerinnen. Paula Ratzmann (16) erklärte ihre Wahl des Kurses: „Ich ziehe in Erwägung, später in Krisengebieten zu helfen.“

Der Erarbeitung einzelner Themengebiete gingen zwei Referate voraus. Professor Dr. Joachim Krause, Direktor des Instituts für Sicherheitspolitik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, beleuchtete kurz verschiedene Regionen, in denen Krisen brodeln. So warnte er vor der wachsenden Rivalität Chinas und den USA und wies auf die Angst im Baltikum vor einer russischen Invasion hin. „Ein großes Problem ist auch die Existenz krimineller Milizen zum Beispiel in Lateinamerika. Dort wächst eine Industrie, die Staaten gefährden kann“, so der Experte. Zur Bedeutung von deutschen Waffen sagte er: „Sie spielen eine relativ kleine Rolle bei den Kriegen auf der Welt.“ Über Waffeneinsätze sagte der Politikwissenschaftler grundsätzlich: „Manchmal ist militärische Gewalt notwendig. Man kann nicht nur pazifistisch sein, es kann als Schwäche ausgelegt werden.“ Dem widersprach der Aachener Journalist Otmar Steinbicker in seinem Vortrag und sagte: „Politische Probleme können nicht militärisch gelöst werden.“ Er schilderte unter anderem Waffen, die autonom ohne menschliches Zutun per Computer gesteuert werden und meinte zugespitzt: „Entweder die Menschheit schafft die Rüstung ab oder die Rüstung schafft die Menschheit ab.“

Die Schülerin Lilli Spreckelsen (17) fand die Vorträge informativ: „Das Thema betrifft unsere Gegenwart und Zukunft.“

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