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Schulausschuss : Schüler müssen Deutsch erst lernen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Zahl der Kinder ohne sichere Deutschkenntnisse hat sich durch die vielen Flüchtlinge und Zuwanderer vervielfacht

von
erstellt am 12.Sep.2015 | 09:00 Uhr

Neumünster | Die Stadt sieht sich in der Schulpolitik vor große Herausforderungen gestellt: Die Zahl der Schüler, die Deutsch als Zweitsprache erlernen, ist in den vergangen Jahren förmlich explodiert. „Vor dem Hintergrund der Flüchtlingsdiskussion werden wir die Zukunft der Helene-Lange-Schule vielleicht ganz anders diskutieren“, sagte Stadtrat Günter Humpe-Waßmuth am Donnerstag im Schul-, Kultur- und Sportausschuss.

Die Stadt könne froh sein, dass es an der Helene-Lange-Schule noch freie Räume gibt. Die „Hela“ ist zurzeit eines von drei Daz-Zentren in der Stadt, soll als Regionalschule aber eigentlich auslaufen und aufgelöst werden. Das Kürzel Daz steht für „Deutsch als Zweitsprache“. An der Helene-Lange-Schule werden zurzeit 127 Daz-Schüler der Sekundarstufe I unterrichtet, also in den Klassen 5 bis 10. Die beiden anderen Daz–Zentren für Grundschüler der Primarstufe sind die Mühlenhofschule (26 Schüler, davon 12 in einer Außenstelle an der Johann-Hinrich-Fehrs-Schule) und die Vicelinschule. Hier gibt es 71 Schüler, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Zum Vergleich: 2008 gab es in ganz Neumünster gerade einmal 21 Schüler in Daz-Zentren. Das ist eine Verzehnfachung in sieben Jahren.

„Im Moment geht es gerade noch so, aber die Zahlen steigen stark und mit ihnen die Gruppengrößen von früher 12 auf    jetzt 16 Schüler. Das ist schon grenzwertig“, sagte Schulrat Jan Stargardt im Ausschuss. „An der Vicelinschule werden zudem weitere 80 Schüler mit nicht sicheren Deutschkenntnissen unterrichtet. Dort haben aktuell 153 von 250 Schülern Deutsch nicht als ihre Herkunftssprache erlernt“, teilte Stargardt gestern auf Nachfrage mit. Der Anteil der Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache liegt an der Vicelinschule also bei über 60 Prozent.

Die Daz-Schüler kommen überwiegend aus dem ost- und südeuropäischen Raum, sind also zu einem guten Teil auch EU-Bürger. Bei jugendlichen Flüchtlingen, die ohne ihre Eltern in Neumünster gelandet sind und unter Obhut des Jugendamts leben, stammen viele aus Afghanistan, aber auch aus afrikanischen Ländern.

Ein politisches Nachhutgefecht lieferten sich der Ausschussvorsitzende Bernd Delfs (SPD) und Britta Einfeldt sowie Sandra Weiß (beide CDU) zum Entscheid der Mühlenhofschule gegen die offene Ganztagsschule. Delfs nannte den Beschluss der Schulkonferenz einen „Fehler“. Die Stadt habe 1,6 Millionen Euro in den Ganztagsbereich mit Mensa investieren wollen. Durch die vielen Migrantenkinder in diesem Sozialraum gebe es einen besonderen Bedarf für eine Ganztagsschule.

Für Britta Einfeldt ist die Mühlenhofschule durch ihre vielen Angebote dagegen praktisch schon Ganztagsschule, nur eben ohne Mensa. Sandra Weiß erinnerte an einen früheren Beschluss. Bereits 2012 habe eine Schulkonferenz die Ganztagsschule abgelehnt. Britta Einfeldt: „Jetzt sollte endlich Ruhe herrschen.“

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