Neumünster : Schüler hauchen Büchern Leben ein

Der Stadtsiegerin Shalin Groh (12) von der Klaus-Groth-Schule gratulierten Jugendbücherei-Mitarbeiterin Angelika Rust (links) und Gabriele Bartelheimer, Leitung des Fachdienstes Schule.
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Der Stadtsiegerin Shalin Groh (12) von der Klaus-Groth-Schule gratulierten Jugendbücherei-Mitarbeiterin Angelika Rust (links) und Gabriele Bartelheimer, Leitung des Fachdienstes Schule.

Der Vorlese-Stadtentscheid der sechsten Klassen hat stattgefunden: Siegerin ist Shalin Groh (12) von der Klaus-Groth-Schule.

shz.de von
15. Februar 2018, 09:00 Uhr

Neumünster | Die Spannung war förmlich zu spüren: Man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören, so gespannt und stumm lauschten die Zuhörer: Beim Stadtentscheid des bundesweiten Vorlesewettbewerbs der sechsten Klassen fieberten Eltern, Geschwister, Großeltern und Freunde mit den Vorlesern mit, die eine bunte Mischung an spannenden, lustigen oder unheimlichen, aber immer mitreißenden Geschichten präsentierten.

„Wer sich einem Buch öffnet, entwickelt Vorstellungskraft und Fantasie, Lesen hat eine enorme Bedeutung fürs Denken, Fühlen, die Sprache und Persönlichkeit“, sagte Gabriele Bartelheimer, Leiterin des Fachdienstes Schule, Jugend, Kultur und Sport . Sie lobte: „Es ist ein ungeheurer Genuss, in fremde Welten einzutauchen.“

Das taten die Zuhörer anschließend. Mit den lustigen Streichen von Tom Sawyer, der verbotenerweise von der Marmelade in der Speisekammer seiner Tante nascht und den sie aber mit ihrem guten Herzen trotzdem nicht bestrafen kann, startete Luke Siebert (Hans-Böckler-Schule). Akzentuiert erweckte Charlotte Zarbock (IKS) die unheimlichen Gestalten aus „Tintenherz“ (Cornelia Funke) zum Leben, Leni Gruschke (GS Faldera) hatte sich die Geschichte von Küchengeräten mit Doppelleben von Neil Shusterman und Eric Elfman ausgesucht, rief „Dad, der Toaster hat mich umgebracht“ und ließ mit „Pling“ die verkohlten Brotscheiben hochploppen.

Mit trockenem Humor versetzte Linus Jankowski (Waldorfschule) die Zuhörer in das Klassenzimmer, in dem Grundschüler Klaus aus der „etwas anderen“ Familie („Hilfe, die Herdmanns kommen“) mit seiner verhungerten Katze für Chaos im Biologieunterricht sorgt. Denn das Tier zerrupft Papier, frisst die Goldfische und die zwei Mäuse der Klasse. „Am Ende war das Klassenzimmer in einem schrecklichen Zustand und die Erstklässler hysterisch“, schloss er – und die Zuhörer kringelten sich.

Ihren kleinen Plüschkakadu „Lori“ hatte Lucy Sarnow (11) von der Alexander-von-Humboldt-Schule als Glücksbringer dabei. Sie las aus den „Chaosschwestern“ von Dagmar H. Mueller, deren Eltern unbedingt mit Vornamen angeredet werden wollen. Die Zuhörer kicherten, als Lucy die Schnute verzog: „Irgendwann mussten wir ihre Gerichte auch essen. Und Iris (die Mutter) war die schlechteste Köchin der Welt.“

Es schien schwierig für die Jury, die Lesetechnik, Textauswahl, deutliche Aussprache, Betonung und Tempo zu bewerten hatte. Doch dann stand für Sophie Harm (Vorjahressiegerin, Waldorfschule), Gabriele Bartelheimer, Bibliothekarin Petra Lüthjohann und Courier-Redakteurin Susanne Otto das Ergebnis fest: Stadtsiegerin ist Shalin Groh (12) von der Klaus-Groth-Schule. Sie entführte ihre Zuhörer in eine gruselige Gewitternacht aus „Carlotta – Internat auf Probe“ von Dagmar Hoßfeld in der Carlotta mit einer Freundin einen Freund suchen. Sie rief „Das Gewitter ist über uns und wir sind mittendrin“ und ließ die Freundinnen in der dunklen Nacht im Garten umherstraucheln. „Lesen macht einfach Spaß“, sagte die Tungendorferin. Ihr Vater Thomas (37) hatte mitgefiebert: „Sie ist ein Naturtalent und legt die Emotionen rein.“

Shalin Groh nimmt teil am Bezirksentscheid Schleswig-Holstein Süd, der am Dienstag, 13. März, um 15 Uhr in der Stadtbücherei stattfindet.

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