zur Navigation springen

Jobstarter : Schritt für Schritt in die Lehrstelle

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Eine Ausbildung nach dem Baukastenprinzip soll jungen Menschen den Einstig ins Berufsleben erleichtern. Der Ausbildungsverbund zieht positive Bilanz.

von
erstellt am 05.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Eigentlich wollte Emre Tamer (21) Polizist werden, aber sein Realschulabschluss „war nicht so prickelnd“ wie er selbstkritisch einräumt. Zwei Jahre lang suchte er vergeblich nach einer Lehrstelle, dann schickte ihn das Jobcenter zum Ausbildungsverbund in der Rintelenstraße. Jetzt steht der junge Neumünsteraner kurz vor dem Abschluss seiner zweijährigen Ausbildung zum Fachlageristen.

Im Sommer sind Prüfungen, und sein Chef Olvier Schulz ist überzeugt, dass er die Prüfungen schafft. Schulz, heute Chef des Online-Versandhandels Grafelstein am Hansaring hat als Schüler selbst „eine Ehrenrunde“ gedreht und ist auch deshalb überzeugt, „dass jeder Schulabgänger eine zweite Chance verdient“.

Neben einem verständigen Chef hat Emre Tamer seine zweite Chance vor allem einem neuen Modell zur beruflichen Integration von Jugendlichen zu verdanken. „Jobstarter connect“ nennt sie das bundesweite Projekt, das beruflichen Spätzündern einen neuen Weg eröffnen soll. Beim AVN und auch im Jobcenter hält man das „Jobstarter“-Projekt für eine Erfolgsgeschichte: 55 Altbewerber (Jugendliche, die länger als ein Jahr nach einer Lehrstelle suchen) wurden in den vergangenen drei Jahren an 45 Firmen in Neumünster und im Umland vermittelt, 37 von ihnen wurden in reguläre Ausbildungsverhältnisse übernommen. Für eine Bewerbergruppe, die üblicherweise bei potenziellen Arbeitgebern ganz unten auf dem Zettel stehen, ist das eine erstaunliche Quote.

Das Besondere: Bei Jobstarter können die von Arbeitsagentur und Jobcenter ausgesuchten Jugendlichen Schritt für Schritt in die Ausbildungsstelle hineinwachsen. Statt eines festen Lehrvertrags steht am Anfang lediglich ein erster Ausbildungsbaustein – etwa das Kassentraining bei der Verkäuferin oder der Wareneingang beim Fachlageristen. Nach und nach werden sie durch weitere Bausteine ergänzt.

Vorteil für den Jugendlichen: Er hat nichts verschenkt, wenn er er doch noch wechselt oder die angefangene Ausbildung sogar unterbricht. Die Ausbildungsmodule werden bundesweit anerkannt und auf eine reguläre Ausbildungszeit angerechnet.

Vorteil für den Lehrherrn: Er kann den möglichen Azubi in aller Ruhe testen und bleibt flexibel. Bis zur Übernahme zahlt das Jobcenter bzw. die Arbeitsagentur die Teilausbildung im Betrieb.

Teilweise hat das Modell sogar zu völlig neuen Ausbildungsplätzen geführt: „Hätten wir Emre nicht eingestellt, hätte eine Aushilfe seinen Job gemacht“, sagt Grafelstein-Chef Oliver Schulz.

Dass das erfolgreiche Modell Jobstarter zum Ende dieses Jahres ausläuft, sieht man beim AVN dennoch gelassen. Das Modell der modularen Ausbildung habe sich bewährt, sagt AVN-Chef Reinhard Arens. Künftig sollen Jugendliche ihren Einstieg ins Berufsleben mit den Ausbildungsbausteinen über den Bildungsgutschein des Jobcenters oder der Arbeitsagentur finanzieren können. Der Antrag auf eine entsprechende Zertifizierung läuft.

Wird das Verfahren anerkannt, können junge Spätstarter auf dem Weg ins Berufsleben auch weiterhin mit Bildungsbausteinen punkten.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen