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Besonderer Tierheim-Bewohner : Schreihals „Loverboy“: Der lautstarke Kampfhahn aus Neumünster

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Er tat nur seinen Job, und das ziemlich gut. Nun muss er dafür leiden. Der Hahn ist seit Dienstag im Tierheim und sucht neue Besitzer. Ein Brief erzählt seine Geschichte.

shz.de von
erstellt am 17.Feb.2015 | 05:00 Uhr

Neumünster | Besucher der Tierauffangstelle werden seit Dienstag mit einem stimmstarken Krähen begrüßt: Ein stattlicher Hahn wurde in einem Karton vor der Pforte an der Geerdtsstraße anonym abgegeben. Die Ursache erklärt ein Brief, der dabei lag: Der etwa zweijährige Hahn krähte zu laut und zu viel – und das störte die Nachbarn.

„Liebes Team, der Hahn heißt Loverboy, er ist ein sehr fürsorglicher Hahn, er kümmert sich sehr gut um seine Mädels, beschützt sie, sucht die leckersten Bissen für sie und hat schon zwei Marderangriffe abgewehrt“, steht in dem getippten Brief, der auch das gestörte Verhältnis eines Nachbarn zu dem Hühnerchef beschreibt. „Loverboy kräht sehr viel, und sobald sich in den Gärten der Nachbarschaft etwas rührt, gibt er Alarm. Das ist sein Job und seinen Mädels rettet er damit das Leben“, heißt es weiter. Dem Nachbarn gehe der kräftig krähende Hahn auf die Nerven, er bewerfe ihn mit Steinen und bespritze ihn mit Wasser – „das animiert den Hahn noch mehr zum Krähen“, erklärt der anonyme Besitzer. Der Hahn Loverboy tut also genau das, was er tun soll – aufmerksam sein, seine Hühner beschützen und Gefahren lautstark ankünden.

Auch in seinem Käfig im Tierheim tut er das: Er patroulliert auf und ab, schaut sehr aufmerksam, wenn Menschen und Hunde vorbeilaufen, scharrt – und kräht etwa alle drei bis fünf Minuten. Loverboy ist streitbar und kräftig: Wenn Menschen ihm zu nahe kommen, springt er sie an – und an seinen Füßen hat er messerscharf aussehende „Sporen“.

Welche Rasse ist Loverboy? Von seiner Optik her könnte er ein Mischling sein, sagt Holger von Arentschildt, Vorsitzender des Rassegeflügelzuchtvereins Einfeld auf Courier-Anfrage: „Das sieht nach einer Kreuzung von Brahma und Araucana aus. Araucana-Hühner legen grüne Eier, die könnte er vererben.“

Der Hahn ist gut in Futter – und was er gerne frisst, steht auch in dem Brief: „Er mag Geflügelmüsli, in Milch eingeweichtes Brot, gelegentlich Katzenfutter.“ Der Schreiber sagt, dass er lange mit sich gerungen habe, was er gegen den Nachbarn unternehmen könne – aber „ich möchte nicht dass Loverboy getötet wird. Es ist für ihn am besten, wenn er ein neues schönes Zuhause bekommt“, sagt der Besitzer und dankt dem Team für seine Bemühungen.

Gisela Bünz, Vorsitzende des Tierschutzvereins, hat so ein Tier selten in ihrer Obhut und wundert sich über den Fall. „Aussetzen vor dem Tierheim geht gar nicht, aber dass dieser Brief dabei ist, der uns das Tier beschreibt, mindert die Entrüstung“, sagt sie. „Aber richtig Verantwortung für ein Tier zu haben, sieht anders aus.“ Denn Loverboy fühlt sich sichtlich irritiert und vor allem allein ganz ohne seine „Mädels“. Das sieht auch Gisela Bünz so: „Ihn alleine auf den Weg zu schicken, ist nicht gut.“

Wer dem Hahn ein artgerechtes Leben bieten kann, meldet sich unter Tel. 5 37 79. Der Vorbesitzer hat auch dazu etwas geschrieben: „Vielleicht einen Hof weitab von Menschen, die sich am Krähen eines Hahnes nicht freuen könne, einen Platz, an dem Loverboy zur Ruhe kommen kann und nicht damit rechnen muss, mit Steinen beworfen zu werden.“

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