Neumünster : Schorle und Tee gegen Sahara-Hitze

Freya Mündlein (links) bekommt von Bentje Finger ein Glas Wasser.  Fotos: Kierstein
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Freya Mündlein (links) bekommt von Bentje Finger ein Glas Wasser. Fotos: Kierstein

Weniger Kreislauf-Patienten als befürchtet kommen in diesen Tagen mit hitzebedingten Beschwerden im FEK. Im Seniorenheim fließen Schorle und Tee in Strömen.

shz.de von
28. Juli 2018, 13:25 Uhr

Neumünster | Seit Wochen knallt die Sonne unbarmherzig vom Himmel – ein Traumsommer für Menschen, die das abkönnen, ein Albtraum für viele Menschen höheren Alters. Denn für Senioren kann die Sahara-Hitze schnell zum Problem werden. Der Hitzeschutz des Körpers nimmt im Alter ab, Kreislaufstörungen treten häufiger auf. Bislang verlief der Hitzesommer in Neumünster glimpflich. Das ist auch der guten Betreuung geschuldet.

„Besonders die Alten haben kein Durstgefühl mehr. Es ist wichtig, dass sie regelmäßig trinken“, sagt Holger Brammer, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK). Generell solle man auf Sport während der Mittagshitze verzichten, so der Arzt. Und die Neumünsteraner scheinen die Vorsichtsmaßnahmen zu beherzigen. Natürlich kämen mehr Patienten mit hitzebedingten Problemen ins FEK, sagt Brammer, aber deutlich weniger als befürchtet. Brammer spricht von nur sechs bis sieben zusätzlichen Patienten in den vergangenen Tagen. „Das sind bislang überwiegend Sonnenstiche. Ein Patient kam mit 40 Grad Fieber“, so Brammer. „Ich hätte mehr erwartet.“ Darauf sei man vorbereitet.

Schon bevor es zum Krankenhaus-Aufenthalt kommt, kann man vorbeugen. Im Wohnpark Tannhof an der Kieler Straße etwa sorgen die Mitarbeiter gezielt dafür, dass die Senioren mit Flüssigkeit versorgt werden. „Wir machen schon morgens den ersten Rundgang mit Wasser, Schorlen und kaltem Tee“, sagt Bentje Finger, Bereichsleiterin des Wohnparks. Normalerweise gibt es täglich sechs Rundgänge mit Getränken. „Bei der Hitze machen wir zehn bis elf. Auch der Verbrauch an Wasser hat sich etwa verdoppelt“, erklärt Finger.

Dabei wird darauf geachtet, dass auch jeder Senior genug Flüssigkeit zu sich nimmt. „Trinken ist nicht so meine Leidenschaft. Aber bei dem Wetter ist das wirklich wichtig“, sagt Freya Mündlein (86). Die Mieterin in der Wohnanlage weiß zudem, dass sie sich trotz der Hitze bewegen muss. Bentje Finger ist beruhigt. In diesem Jahr gab es in der Wohnanlage noch keinen hitzebedingten Schwächeanfall.

Sollte es zum Notfall kommen, ist der Rettungsdienst der Stadt auf alles vorbereitet. „Wir haben sechs Rettungswagen, drei Krankentransportwagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug im Einsatz“, sagt Carsten Voß, Abteilungsleiter des Rettungsdienstes. „Seit knapp drei Monaten verzeichnen wir steigende Einsatzzahlen. Durch die derzeitige Hitze sind sie aber nicht signifikant gestiegen“, so Voß. Das aktuelle Aufkommen könne gut bewältigt werden. Allerdings: Das früher übliche Sommerloch gibt es nicht mehr. „Viele Menschen waren im Urlaub. Da war weniger zu tun. Heute haben wir das ganze Jahr hindurch etwa gleich viele Einsätze“, sagt Unfallsanitäter Michael Schulz. Im Jahr fahren die Retter etwa 22 000 Einsätze. 2005 waren es noch 12 000. Schulz: „Das liegt daran, dass die Leute viel schneller den Notruf wählen als früher. So fährt man auch für eine Bagatelle raus. Aber jeder, der Hilfe braucht, soll uns gerne anrufen.“

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