zur Navigation springen
Holsteinischer Courier

17. Oktober 2017 | 03:17 Uhr

Wasbeker Strasse : Schon wieder Baustopp

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wassereinbruch in alten Kanalrohren verzögert erneut den Straßenneubau. Die Anlieger sind entsetzt: Kippt jetzt auch der neue Zeitplan?

von
erstellt am 14.Okt.2013 | 08:00 Uhr

Die neue Hiobsbotschaft verbreitet sich in der Wasbeker Straße wie ein Lauffeuer: Schon wieder sind die Arbeiten an der Wasbeker Straße unterbrochen – zum zweiten Mal innerhalb von vier Wochen. Die bange Frage, die sich Anlieger wie Geschäftsleute stellen: Wird die Fertigstellung der Dauerbaustelle jetzt erneut vertagt?

Bereits am vergangenen Mittwoch hatten die Tiefbauer die Baustelle zwischen Hansaring und Wilhelmstraße verlassen. Weil sich auch am Donnerstag nichts tat, hakten die inzwischen misstrauisch gewordenen Anlieger in der Bauverwaltung nach.

Das Ergebnis: Bei einer erneuten Kontrolle des Kanalsystems haben Fachleute Wassereinbrüche in den maroden Kanalrohren unter der Straße festgestellt. Das aber könnte dazu führen, dass die Inlinerschläuche, mit denen die Stadt die maroden Rohre eigentlich ersetzen will, nicht wie geplant eingezogen werden können. Genauere Untersuchungen in dieser Woche sollen jetzt zeigen, wie groß der Schaden tatsächlich ist. Weil im schlimmsten Fall auch die Hausanschlüsse betroffen sein könnten, liegen vorerst auch die Pflasterarbeiten in diesem Bauabschnitt auf Eis.

Anlieger wie Rainer Lucht oder Günter Riemenschneider sind entsetzt: „Das ist wirklich das Letzte!“, schimpft Hausbesitzer Riemenschneider. Seit Monaten bekniee man die Bauverwaltung, den Umbau der Wasbeker Straße zügig voranzutreiben, weil die Geschäfte längere Ausfallzeiten nicht verkraften können. Und jetzt werde offenbar „mal so zwischendurch“ festgestellt, dass das geplante Reparaturverfahren möglicherweise gar nicht funktioniere, erbost sich Riemenschneider. „Wieso stellt sich das erst jetzt heraus? Ist der Zustand der Kanalrohre nicht vorher überprüft worden?“

Als früherer Inhaber des gleichnamigen Fotogeschäfts weiß Riemenschneider nur zu gut, wie schnell die Kunden einem Geschäft bei aller Sympathie den Rücken zukehren, wenn sie es nicht mehr erreichen können. „Ich glaube, die Stadt nimmt uns immer noch nicht ernst – oder wir sind ihr egal“, wettert der Geschäftsmann.

Der Groll ist verständlich. Seit sieben Jahren plant die Stadt die Kanalsanierung in der Wasbeker Straße. Nach monatelangem Streit um die Öffnung der Straße für den stadteinwärts rollenden Verkehr oder die Beibehaltung der Einbahnregelung gab es vor zwei Jahren endlich einen ersten Termin für die Reparatur der längst von Schlaglöchern übersäten Pflasterstraße. Dann fehlte plötzlich der Zuschuss aus Kiel, der Ausbau wurde erneut vertagt.

Anfang Juni rückten dann endlich die ersten Bagger an. Die Stadt versprach die Fertigstellung der Straße noch in diesem Jahr. Vor vier Wochen gab es dann erneut einen Schlag ins Kontor: Weil eine Baufirma die Stadt sitzen ließ und gar nicht erst auf der Baustelle (zwischen Schleusberg und Fabrikstraße) erschien, kam es erneut zu Verzögerungen (wir berichteten). Inzwischen wird in diesem Abschnitt wieder gearbeitet; die Stadt versprach die endgültige Fertigstellung für das kommende Frühjahr und eine provisorische Straßendecke für die Winterpause. Daran hält man im Bauamt offenbar auch nach dieser Panne fest. Bauamtschef Ralf-Josef Schnittker habe die vorläufige Öffnung der Straße fest zugesichert, sagte am Wochenende Rainer Lucht, Hauseigentümer und Sprecher der Anlieger. Aber vielen Anliegern fehlt der Glaube daran. „Die liegen doch jetzt schon Wochen zurück. Und welche Überraschungen das Kanalnetz noch birgt, steht noch gar nicht fest. Wie kann es da verlässliche Zusagen geben?“, so Riemenschneider.

Bauamtschef Ralf-Josef Schnittker war am Freitag für keine Stellungnahme zu erreichen. In dieser Woche ist er im Urlaub.

Courier-Kommentar von Thorsten Geil:

Langsam wird es peinlich für das Bauamt. Es vergeht kaum ein Tag ohne eine neue Panne. Da tritt eine Firma mal eben nicht zum Pflastern an, da ploppt eine hohe Schadstoffbelastung im Asphalt hoch, da sind die längst untersuchten Kanäle plötzlich kaputt und so weiter.  Alle Fälle haben etwas gemein: Jeder Fall bringt pauschal eine wochenlange Verzögerung mit sich, löst im Rathaus nur ein Achselzucken aus und  kommt erst heraus, als Bürger sich beschweren und/oder der Courier nachfragt.  Die Stadtwerke ziehen derweil ihr Ding durch. Sie sanieren ihre Fernwärme, wie es ihnen gefällt, und machen auch während der Nordbau die Max-Johannsen-Brücke zur Baustelle – offenbar alles mit dem Segen der Stadt.  Wenn Boostedter und Wittorfer Straße zu sind, werden auch noch die Parkplätze am Haart gesperrt. Davon haben die Leute langsam die Nase voll. Ein Hauptgrund für die fehlende Akzeptanz des Verkehrsversuchs ist, dass die Stadt nicht vernünftig mit den Betroffenen spricht. Damit macht sie alles nur noch schlimmer.
 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen