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Grosseinatz : Scholtz-Kaserne: Tumulte vor dem Umzug

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Ein Großeinsatz der Polizei war nötig, um die Gemüter zu beruhigen. Vier statt drei Busse fuhren in die neue Einrichtung nach Rendsburg.

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Lage war extrem angespannt: Als am Sonnabend eine größere Gruppe Flüchtlinge aus der zentralen Erstaufnahmestelle am Haart in ein provisorisches Dorf aus 75 Wohncontainern nach Rendsburg verlegt werden sollten, kippte gegen Mittag die Stimmung. Offenbar wollten weitaus mehr Flüchtlinge die überfüllte Anlaufstelle in Neumünster verlassen, als vorgesehen waren. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot an, um den Tumult zu beenden. Die Beamten aus Neumünster wurden sogar durch Kräfte aus Lübeck und Itzehoe unterstützt. Letztendlich traten 90 Flüchtlinge mehr als eigentlich geplant die Reise an.

Nach Auskunft von Polizeisprecher Sönke Hinrichs war es in der ehemaligen Scholtz-Kaserne gegen 12 Uhr zu lautstarken Meinungsverschiedenheiten unter zahlreichen Asylbewerbern gekommen. Unzufriedene Flüchtlinge, die auch hätten verlegt werden wollen, hätten sich laut beschwert, so Hinrichs. „Der Sicherheitsdienst hat daraufhin die Polizei alarmiert“, sagte der Polizeisprecher. Die Einsatzkräfte hätten die Gemüter in Gesprächen gemeinsam mit dem Leiter der Einrichtung, Ulf Döhring, jedoch schnell beruhigen können. Straftaten habe es nicht gegeben, so die Polizei. Gegen 14 Uhr sei die Lage unter Kontrolle gewesen.

Um 15 Uhr wurden dann 240 Flüchtlinge mit Bussen aus dem überfüllten Erstaufnahmelager nach Rendsburg verlegt. Ursprünglich sollten nur 150 Menschen die Fahrt in das neue Quartier antreten. Statt drei Bussen starteten jetzt vier nach Rendsburg.

Dass sich die Lage nach der Verlegung entspannt, ist nicht zu erwarten. Laut Ulf Döhring seien allein vom 8. bis 12. August rund 1100 Flüchtlinge in Neumünster aufgenommen worden. Niemand rechnet damit, dass der Strom bald abreißt.

Die Verzweiflung der Flüchtlinge spiegelte sich gestern nicht nur in Neumünster wider. Als eine junge Mutter aus Afghanistan mit ihren Kindern in Rendsburg aus dem Bus stieg, brach sie direkt neben Innenminister Stefan Studt plötzlich in Tränen aus und vergrub ihr Gesicht in beiden Händen. Offenbar war die Frau vom Anblick der Wohncontainer geschockt. Hier wolle sie nicht bleiben, rief sie verzweifelt und gestikulierte, doch ein Zurück nach Neumünster war nun nicht mehr möglich.

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