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1. Polizeirevier : Schneller Umbau für junge Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im ehemaligen 1. Polizeirevier an der Parkstraße wird unter Hochdruck gearbeitet. Die Stadt braucht Wohnraum für immer mehr Jugendliche.

Neumünster | Der Strom der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die in Neumünster stranden und von der Stadt in Obhut genommen werden müssen, reißt nicht ab. 280 Jugendliche, meist Jungen aus Afghanistan, Syrien und Eritrea, zwischen 15 und 18 Jahren, werden zurzeit vom Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) in unterschiedlichen Einrichtungen untergebracht. Doch die Möglichkeiten in der Stadt sind längst erschöpft. Laut ASD-Leiter Jörg Hellberg müssen junge Flüchtlinge bereits bis nach Angeln ausquartiert werden.

Der Umbau des ehemaligen 1. Polizeireviers an der Parkstraße, der erst Anfang August entschieden wurde, soll deshalb zügig Entlastung bringen (der Courier berichtete). Der Bau, der aufgrund der akuten Notlage ungewöhnlich wenig Vorlauf hatte, geht derzeit gut voran.

„Wir sind nur zwei Wochen außerhalb des Plans“, erklärten Thorben Pries, Büroleiter des Oberbürgermeisters, und Claus-Peter Hillebrand, Leiter der Abteilung zentrale Gebäudewirtschaft gestern bei einer Begehung. Noch haben die Bauarbeiter im Erdgeschoss und im ersten bis dritten Stockwerk einiges zu tun. Die oberen beiden Stockwerke bleiben leer, damit das Wohnprojekt nicht zu unübersichtlich wird.

Gestern wurde erst einmal ein Teil der Außenwand zur Parkstraße aufgesägt. Dort soll ein zweiter Fluchtweg entstehen. Von außen wird vorerst ein Gerüstturm als Treppe angebracht, um die Sache zu beschleunigen. Später soll ihn ein fester Stahlturm ersetzen. „Wir haben sehr hohe Sicherheitsauflagen zu beachten. Immerhin wird hier aus einem Bürogebäude ein Gebäude mit Schlafnutzung“, erklärte Hillebrand. Rauchschutztüren und funkvernetzte Rauchmelder gehören auch zu den Auflagen.

Im Erdgeschoss, wo einst die Polizeiwache war, wird die Iuvo ihre Büros und einen Empfangsbereich haben. Die gemeinnützige GmbH, eine Tochtergesellschaft der Diakonie, wird ab Mitte Oktober rund 50 Jugendliche verteilt auf vier Wohngruppen in dem Haus betreuen. Im Erdgeschoss werden außerdem Essensräume entstehen. Zu Beginn wird ein Caterer die jungen Flüchtlinge beliefern. Später wird möglicherweise auch eine Küche eingebaut und selbst gekocht. Die Arrestzellen der Polizei werden in den Umbau nicht einbezogen. „Die können wir nicht gebrauchen, der Trakt hat keine Fenster. Da wird die Haupttür verschlossen“, so Hillebrand.

Im ersten bis dritten Stock werden 25 Schlafräume entstehen, die mindestens 16 Quadratmeter groß sind. Zwei Jugendliche werden sich jeweils einen Raum teilen. Hinzu kommen Aufenthaltsräume. Zusätzlich zu den Toiletten der Polizei werden in jedem Stockwerk Fertigbäder eingebaut, wie sie in Hotels zu finden sind. Und die bringen die zweiwöchige Zeitverzögerung. „Es gibt Lieferprobleme“, berichtete Pries. Dennoch sind die Vertreter der Stadt zufrieden: Die Kosten von rund 280  000 Euro werden nicht überschritten. „Und 14 Tage Verzögerung sind bei den kurzen Vorlaufzeiten auch eher Rekord.“

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erstellt am 11.Sep.2015 | 07:30 Uhr

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