Testkäufe : Schnapskauf war ein Kinderspiel

In vier von fünf kontrollierten Läden erhielten Minderjährige problemlos harten Alkohol und Zigaretten.

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04. März 2014, 06:00 Uhr

Neumünster | Wenn ihm 13-jährige Kinder bei Stadtfesten oder an Vatertag am Einfelder See volltrunken vor die Füße fallen, wird Andreas Leimbach fuchsteufelswild. Der Jugendschutzbeauftragte der Stadt weiß, wie die Jugendlichen an den Alkohol kommen, und dagegen will er vorgehen. Zum ersten Mal hat der Kinder- und Jugendschutz jetzt Testkäufe mit Jugendlichen in der Stadt organisiert. Das erschreckende Ergebnis: In vier von fünf Fällen bekamen die Minderjährigen hochprozentigen Alkohol und Tabak.

„Seit September 2013 sind Testkäufe mit Jugendlichen als probates Mittel zur Kontrolle der Einhaltung der Jugendschutzvorschriften offiziell erlaubt“, so Leimbach. Als Lockvogel unterstützen ihn  zwei 17 Jahre alte Auszubildende der Stadt.  Aufgesucht wurden fünf Betriebe: zwei Tankstellen, zwei Supermärkte und ein Kiosk. Es gab Hinweise von Eltern und Jugendlichen, dass dort Alkohol und Zigaretten an unter Minderjährige verkauft werden. „Wo diese Waren an Jugendliche verkauft werden, ist unter den Unter-18-Jährigen in Neumünster meist bekannt“, weiß Leimbach aus Erfahrung. Ziel der Testkäufe sei es, genau diese Verkäufe zu dokumentieren und zu unterbinden.

In vier Fällen gelang es den Jugendlichen, Tabak und harten Alkohol ausgehändigt zu bekommen. Als die Verkäufer im Nachhinein auf ihr Fehlverhalten  hingewiesen wurden, waren viele einsichtig („Ich hätte die Ausweise kontrollieren müssen“, „Das hätte nicht passieren dürfen, mein Fehler“). Andere rechtfertigten sich („Die beiden sahen älter aus“). Im fünften Laden hatte der Verkäufer bereits eine Kontrolle miterlebt. Ihm war bewusst, dass der Verkauf an Minderjährige ein Bußgeld nach sich ziehen kann.

Wie hoch die Strafe ausfallen kann, wusste  der Jugendschutzbeauftragte  nicht konkret: „Darüber muss das Ordnungsamt noch entscheiden.“ Laut Gesetz liege die Höchststrafe bei 5000 Euro. „So hoch wird das aber nicht“, sagte Leimbach. Aus Stade wisse er beispielsweise, dass 300 Euro normal seien. Die Strafe könne aber noch höher ausfallen, wenn  es bei einer Nachkontrolle wieder zum Verkauf komme.  Bei weiteren Wiederholungsfällen kann der Verkauf von Tabakwaren und Alkohol sogar komplett verboten werden.

Nachkontrollen will Leimbach auf alle Fälle organisieren. Ansonsten soll es nur punktuelle Kontrollen geben, wenn ein Laden im Verdacht steht. Ein Großteil der Neumünsteraner Läden halte sich an die Vorschriften. Doch Schuld seien nicht nur die Verkäufer. Genauso ärgert sich Leimbach über gleichgültige Eltern: „Ich kenne genug Fälle, in denen die Kinder über sie an Alkohol kommen.“

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