Amtsgericht : Schnäppchen kommt teuer zu stehen

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Ein Secondhand-Händler konnte der Versuchung auf ein lukratives, aber krummes Geschäft nicht widerstehen: Jetzt verurteilte das Amtsgericht ihn wegen Hehlerei.

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12. Oktober 2018, 13:22 Uhr

Sah es anfangs tatsächlich nach einem echten Schnäppchen aus? Oder war einfach die Verlockung zu groß, auch auf unsauberem Weg den großen Reibach zu machen?

So oder so, letztlich entpuppte sich das Geschäft für den 45-jährigen Secondhand-Händler als teurer Bumerang: Wegen Hehlerei verurteilte das Amtsgericht ihn am Freitag zu 800 Euro Geldstrafe. Schlimmer noch für ihn: Nach den neuen Regeln zur Gewinnabschöpfung bei Strafsachen droht ihm eine Vermögenseinziehung über immerhin 9900 Euro.

Wie konnte es dazu kommen? Im Mai betraten drei Männer sein Geschäft in der Innenstadt und boten ihm ein Schweißgerät für 1600 Euro an. Der Händler blieb skeptisch, auch weil er das Gerät nicht testen konnte, suchte aber neugierig im Internet und staunte nicht schlecht: Dort wurde die Profimaschine für für 9900 Euro angeboten.

Als die Männer den Händler wenig später erneut, diesmal an seiner Privatadresse, aufsuchten, kam man ins Geschäft. Für 600 Euro wechselte das teure Schweißgerät den Besitzer. Der Käufer bot es postwendend für 3900 Euro auf Ebay an.

Er habe eben einfach versucht, es für einen guten Preis loszuschlagen. „Ich wusste ja immer noch nicht, ob es tatsächlich in Ordnung ist“, versuchte der Neumünsteraner dem Gericht seine Arglosigkeit bei dem Deal zu belegen.

Dass die Maschine kurz zuvor bei einem Einbruch gestohlen wurde, habe er nicht gewusst: „Sonst hätte ich sie ja nicht gekauft“, versicherte der 45-Jährige.

Weder Staatsanwalt noch Richter mochten dem Gebrauchthändler so viel Blauäugigkeit abnehmen: Allein dass der Angeklagte das Gerät bei Ebay seinerseits für das sechseinhalbfache des Ankaufspreises eingestellt habe, mache dessen Aussage, er habe um den wahren Wert des Gerätes nicht gewusst, unglaubwürdig, führte der Staatsanwalt aus.

So ähnlich sah das auch der Richter: „Ich gehe davon aus, dass Sie zumindest in Betracht gezogen haben, dass die Ware aus einer Straftat stammt“, hielt er dem Händler vor.

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