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Gerichtsbericht : Schmutzige Geschichte vor Gericht

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Amtsgericht muss sich zurzeit mit einem ungewöhnlichen Streit unter Männern beschäftigen. Einige Zeugen machten es den Juristen gestern schwer.

shz.de von
erstellt am 28.Nov.2014 | 05:00 Uhr

Neumünster | Ein eher ungewöhnlicher Streit  beschäftigt  seit gestern das Amtsgericht.  Eigentlich geht es um Faustschläge, die ein Mann am 1. April  dieses Jahres am späten Nachmittag in einem Hausflur an der Klosterstraße kassiert haben soll, was ja gelegentlich vorkommen soll. Bemerkenswert an der Sache ist aber die Vorgeschichte, denn das Opfer steckte die  Prügel offenbar als eine  Art Strafe ein. Wenige Stunden vorher soll er vor der Wohnungstür seines Kontrahenten  sein großes Geschäft hinterlassen haben.

Den übel riechenden Haufen fand der Angeklagte (31) vor seiner Tür im dritten Stock, als er gerade   von einem Besuch bei seinem Nachbarn  zurück kam. „Ich dachte nur  ‚Was ist das denn?‘“, berichtete der Arbeitslose gestern von dem unappetitlichen Fund. „Der einzige Hund aus dem Haus konnte es nicht gewesen sein. Der war zu klein für so einen Riesenhaufen“, meinte er. Auch am 1. April  fand er diese Art von Scherz  ziemlich übel. Aufgeregt lief er damals zu seinem Nachbarn zurück, um ihm die Misere zu zeigen.  „Der war total sauer“, beschrieb der Zeuge    die Reaktion des Angeklagten. 

Kaum hatte der 31-Jährige die Hinterlassenschaften entfernt, bekam er von Hausbewohnern offenbar auch schon einen ersten Hinweis auf den Verursacher. Ein entfernter Bekannter geriet ins Visier. „Der hat so was schon öfter gemacht“, hieß es.

„Klar war ich genervt. Ich wusste ja nicht, was das soll. Wir hatten keinen Streit oder so“, erzählte der Angeklagte. Dass er den Verursacher  wegen der Sache jedoch noch am selben Tag ins Haus gelockt und mit mehreren Faustschlägen im Treppenhaus traktiert haben soll, wie die Staatsanwaltschaft meint, stritt der Mann vor dem Richter gestern vehement ab. „Ich habe ihn an dem Tag gar nicht mehr gesehen. Und geschlagen  habe ich ihn auch nicht“, beteuerte er immer wieder. Stattdessen habe er den seltsamen Witzbold einige Zeit später zufällig in der Stadt getroffen und zur Rede gestellt. „Da hat er das auch alles zugegeben“, erzählte der Angeklagte dem Richter.

Sein Kontrahent konnte gestern zu den Hintergründen des seltsamen Streits nicht befragt werden. Er war trotz einer Ladung nicht  vor Gericht erschienen.   Der Richter verhängte daraufhin ein Ordnungsgeld über 100 Euro; ersatzweise kann der säumige Zeuge auch zwei Tage hinter Gittern verbringen. Zum nächsten Verhandlungstag wird er außerdem von der Polizei abgeholt. Gleiches gilt für einen Hausbewohner, der ebenfalls trotz schriftlicher Aufforderung nicht im Amtsgericht  erschienen war.

Auch weitere Zeugen aus dem Freundeskreis des Angeklagten  machten es dem Gericht nicht gerade leicht. Ein Bekannter   hatte kurz nach den Geschehnissen bei der Polizei noch davon berichtet, wie man damals den vermeintlichen  Dreckspatz per Telefon ins Haus locken wollte. Doch der sei trotz Zusage nicht gekommen. Vor Gericht wollte der Zeuge von all dem nichts mehr wissen.  „Sie lügen mich in einer Tour an“, stellte der Richter irgendwann unmissverständlich  fest und drohte  mit einem Verfahren wegen falscher uneidlicher Aussage, was der Zeuge nur mit einem Achselzucken quittierte. Der Prozess wird fortgesetzt.

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