zur Navigation springen

Vor Gericht : Schmuckverkäuferin betrog ihren Chef 26 Mal

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Dreister Betrug beim Goldankauf: Verkäuferin wurde zu einer Geldstrafe verurteilt. Immer wieder hatte sie in die Kasse gegriffen.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Neumünster | Fünf Monate lang griff die junge Frau immer wieder trickreich bei ihrem Arbeitgeber in die Kasse. Dann flog die Sache durch zwei vom Chef beauftragte Testkäufer auf. Gestern musste sich die Neumünsteranerin (29) vor dem Amtsgericht wegen Veruntreuung und Unterschlagung in Tateinheit mit Urkundenfälschung vor Gericht verantworten.

Die Serie der jungen Schmuckverkäuferin, die in Filialen in Neumünster und Henstedt-Ulzburg arbeitete, begann am 8. August 2012. Damals kaufte sie von einem Kunden Gold für 215 Euro an. Später fälschte sie laut Anklage die Durchschrift des Kaufvertrags, indem sie 285 Euro eintrug. Dann nahm sie sich die Differenz von 70 Euro aus der Kasse. Detailliert listete die Staatsanwältin auf, wie die Frau bis zum 24. Januar vergangenen Jahres immer wieder – insgesamt 26 Mal – diesen Trick bei Gold- und Silberkäufen anwandte. 20 Mal bereicherte sie sich in der Filiale in Neumünster, sechs Mal griff sie in Henstedt-Ulzburg in die Kasse. Die Beträge, die sie entnahm, schwankten zwischen sieben und 380 Euro. Insgesamt erbeutet die Frau durch diese Masche 1436 Euro.

Aufgedeckt wurde die Sache, weil der Chef offenbar doch irgendwann Verdacht schöpfte. Laut Staatsanwaltschaft waren „die Manipulationen auf den Quittungen zum Teil doch sehr offensichtlich“. Am 24. Januar 2013 arbeitete die Angeklagte nach eigenen Angaben noch ganz normal ihre Schicht. Am Abend kam ihr Chef mit einem Zeugen herein. „Da hat er mich dann mit der Sache konfrontiert. Er hatte halt in der Zwischenzeit zwei Testkunden geschickt“, beschrieb die Frau gestern den Juristen ihren letzte Arbeitstag. Außerdem befand sich damals ein markierter Geldschein im Portemonnaie der Frau.

„Ich war in Geldnot. Die Sache war eine große Dummheit und soll nicht wieder vorkommen“, sagte die Angeklagte vor Gericht zerknirscht, nachdem sie die lange Liste der Vorwürfe gehört hatte. Rund 20 000 Euro Schulden habe sie durch Handy-Rechnungen und Bestellungen angehäuft. Mittlerweile befindet sie sich in Insolvenz.

Nachdem die trickreiche Betrugsserie aufgeflogen war, wurde der jungen Frau sofort gekündigt. Später traf sie sich mit ihrem Chef vor dem Arbeitsgericht. Dort verzichtete sie auf ihre Ansprüche und glich den entstandenen Schaden so umgehend aus. Das rechnete ihr das Gericht gestern positiv an. Auch das umfangreiche Geständnis, in dem die Frau bis in kleinste Detail ihr Vorgehen geschildert hatte und ehrliche Reue zeigte, wurde entlastend gewertet.

Wenig Verständnis hatten Staatsanwältin und Richter hingegen für die hohe Anzahl der Taten. „So eine Vielzahl findet man nicht oft. Sie legten eine erhebliche kriminelle Energie an den Tag“, kritisierte die Anklagevertreterin. Dennoch sprach sie sich für eine Geldstrafe aus 90 Tagessätzen à 20 Euro aus – eine Strafhöhe, gegen die auch der Verteidiger nichts einzuwenden hatte. Der Richter folgte dem Vorschlag und verurteilte die Frau letztendlich zu einer Zahlung von 1800 Euro, die sie in Raten abstottern darf. „Sie haben ja hoffentlich aus der Sache gelernt“, mahnte der Richter in seinem Urteil.

Die Frau hat mittlerweile einen eine neue Arbeitsstelle gefunden – allerdings nicht im Schmuckgewerbe. Sie nahm das Urteil gestern im Gerichtssaal sofort an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen