neumünster : Schlie sagt Schaustellern Hilfe zu

Ganze 32 Minuten dauerte der Einzug der über 70 Traditions-Fahnen ins Theater. Der Mädchen-Musikzug Neumünster spielte dazu durchgängig Musik.
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Ganze 32 Minuten dauerte der Einzug der über 70 Traditions-Fahnen ins Theater. Der Mädchen-Musikzug Neumünster spielte dazu durchgängig Musik.

Landtagspräsident Klaus Schlie eröffnete den 69. Delegiertentag, zu dem über 1000 Teilnehmern aus ganz Deutschland ins Theater in der Stadthalle kamen.

shz.de von
29. Januar 2018, 08:05 Uhr

Die schleswig-holsteinische Politik unterstützt die Schausteller bei ihrer Forderung, dass der Staat für die Kosten von Sicherheitsmaßnahmen gegen Terroranschläge bei Volksfesten und Weihnachtsmärkten aufkommen muss. „Sicherheit ist eine staatliche Aufgabe“, erklärte Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) gestern Abend unter kräftigem Applaus der rund 800 Delegierten und Gäste zum offiziellen Auftakt des 69. Delegiertentages des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) und der Europäischen Schaustellerunion im Theater in der Stadthalle. Er sei sich sicher, dass „alle im Landtag vertretenen Parteien hinter den Schaustellern stehen“, so Schlie.

Es könne nicht angehen, dass Volksfeste im Land wegen zu hoher Kosten oder Bürokratie in Schwierigkeiten geraten oder gar aufgegeben werden müssen, betonte Schlie, der unter Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) bereits für Entbürokratisierung zuständig war. Carstensen hielt im Anschluss die Grußworte für Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der wegen der GroKo-Verhandlungen kurzfristig absagen musste. Noch bis morgen werden weit über 1000 Teilnehmer des Branchentreffs auf dem Gelände der Holstenhallen über die aktuellen Entwicklungen und Probleme sprechen.

DSB-Präsident Albert Ritter hatte bereits am Sonnabend klare Forderungen an die Politik gestellt. Die zusätzlichen Kosten für Betonblöcke oder Personal gegen Terroranschläge dürften nicht alleine die Schausteller tragen, war dabei eine Kernforderung des Nordrhein-Westfalen, der seit über zehn Jahren an der Spitze des weltgrößten Branchenverbandes mit 4900 Betrieben steht. Laut Verband gibt es in Deutschland jährlich 10 000 Volksfeste und mehr als 2000 Weihnachtsmärkte.

Weiter verlangte Ritter Vereinfachungen bei Baugenehmigungen, Ausnahmen für Schaustellerfahrzeuge bei Umweltzonen und Fahrverboten in Innenstädten und die Aufhebung des Kooperationsverbotes im Bildungsbereich. Es könne nicht sein, dass Schausteller-Kinder in jedem Bundesland anders beschult werden. Ein weiteres Problem, das den Jahrmarktsbeschickern auf den Nägeln brennt, sind die Strompreise. „Wenn ich meinen Autoscooter auf den Jugendspielplatz stelle, zahle ich deutlich mehr als zuhause in meinem Betrieb in Einfeld“, machte Ludolf Fock deutlich. Er ist Präsident des Schaustellerverbandes Neumünster, der gemeinsam mit dem Verband Westküste den Delegiertentag erstmals im Duo ausrichtet.

Für seine Forderung, Volksfeste müssten in Deutschland wie etwa in Finnland von der Unesco endlich als Kulturgut anerkannt werden, bekam der Essener Albert Ritter ebenfalls Rückendeckung vom Möllner Schlie. „Ich freue mich schon im Januar auf den Herbstmarkt in meiner Heimatstadt. Den gibt es seit 1561 bei uns im Zentrum. Und da gehört er auch weiter hin, denn er schafft ein Stück Identität“, betonte der Landtagspräsident, der im Anschluss ein historisches Karussell „für seinen Schreibtisch“ überreicht bekam.

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