Politische Kolumne : Schlechte Verlierer nach der OB-Wahl

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SPD und Bündnis für Bürger arbeiten sich weiter an Oberbürgermeister Tauras ab - und Verdi schlägt sogar unter die Gürtellinie

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31. Mai 2015, 08:00 Uhr

Neumünster | Das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl vor drei Wochen war mehr als deutlich. 59,8 Prozent holte Dr. Olaf Tauras. Das gab es so deutlich noch nie, denn 2009 hatte Tauras bei fast exakt demselben Ergebnis nur einen Gegenkandidaten, diesmal drei. Selbst der damals sehr populäre SPD-Oberbürgermeister Hartmut Unterlehberg holte 1997 gegen Monika Schwalm „nur“ 53,5 Prozent und 2003 gegen Susanne Bendfeldt 54,2 Prozent. Das sind die Fakten.

Wenn man eine so krachende Niederlage eingefahren hat wie SPD und BFB vor drei Wochen, kann man damit auf zwei Arten umgehen:

1. Man erkennt an, dass eine viel zu spät importierte Gegenkandidatin (Elke Christina Roeder) gegen einen populären Amtsinhaber mit guter Bilanz keine Chance hatte. Dann hält man ein bisschen den Ball flach, schaut mit etwas Demut in die Zukunft und fängt augenblicklich an, sich einen Gegenkandidaten aus Neumünster für 2021 auszugucken.

2. SPD und BFB wählen diese Variante. Sie zeigen sich als schlechte Verlierer, schieben alles auf die schlechte Wahlbeteiligung, räumen nicht ein, dass sie es mit ihrer Kandidatenkür selber vermasselt haben und stänkern weiter gegen den wiedergewählten Oberbürgermeister (womit man dessen Wähler gleich noch einmal vors Schienbein tritt). Wie zum Beispiel in der ersten Ratssitzung nach der Wahl: Die Holsten-Galerie schon Monate vor ihrer Eröffnung für die Karstadt-Schließung verantwortlich zu machen und Olaf Tauras daraus noch einen Strick drehen zu wollen – das war große Politik in der Kategorie „Wir wollten ja immer das Einkaufszentrum bei Karstadt“; das ganze auch noch hübsch in Opferhaltung vorgetragen. Merke: Wer immer nur nach hinten schaut und nicht nach vorn, der verrenkt sich nur den Hals. Aber es soll ja heute noch Sozialdemokraten geben, die aus Protest gegen die Entscheidung von 1981, die Stadthalle zu bauen, diese nicht betreten.

Feuer aus dem linken Lager bekommt Olaf Tauras auch in der Tarifauseinandersetzung um die Bezahlung von Erzieherinnen. Ok, als Vorsitzender des Kommunalen Arbeitgeberverbands muss man das einstecken. Eindeutig unfair war aber eine Pressemitteilung der Gewerkschaft Verdi von Mittwoch. Die Bezirksgeschäftsführerin Almut Auerbach beschwerte sich darüber, dass der OB an jenem Tag nicht im Rathaus gewesen war, als man ihn (unangemeldet) besuchen wollte: „Leider mussten wir feststellen, dass der Oberbürgermeister lieber zu einer Gildeveranstaltung gegangen ist.“ Ja, am Mittwoch nach Pfingsten ist seit Jahrhunderten das Vogelschießen der Gilde. Und da gehört ein Oberbürgermeister hin (zumal er Mitglied ist). Die Verdi-Leute wissen gar nicht, wem sie mit solchen Tönen alles auf die Füße treten. Scheinbar werden durch den Kitastreik die Nerven auch bei Verdi immer dünner.

 
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