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Platznot : Schlangen bringen Tierpark in Bedrängnis

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Seit Jahresbeginn wurden schon 20 ausgesetzte Reptilien abgegeben, vor allem Kornnattern. Das letzte Tier lag im Sperrmüll.

Neumünster | Der Tierpark schlägt Alarm: Immer mehr Reptilien aus privater Haltung landen in der Einrichtung an der Geerdtsstraße. Die Terrarien hinter den Kulissen sind bereits voll.

Neben einer Bartagame sind es vor allem Kornnattern, die entweder ausgesetzt und dann von Polizei und Feuerwehr eingefangen wurden oder gleich von den überforderten Besitzern abgegeben werden. Das letzte Tier kam erst vor wenigen Tagen an – es wurde im Sperrmüll am Südbahnhof aufgegriffen.

„Das ist ein großes Problem. Schlangen gibt es mittlerweile für wenig Geld in jedem Baumarkt. Doch kaum einer, der sich eine kauft, kennt die Arbeit, die damit verbunden ist“, sagt die zoologische Leiterin des Tierparks, Verena Kaspari. Die Reptilien seien anspruchsvoll, bräuchten die richtige Umgebungs-Temperatur und Nahrung. „Viele besorgen einfach Mäuse und setzen sie dann ins Terrarium, weil sie nicht wissen, wie man die kleinen Nager schmerzlos tötet. Das ist nicht nur Tierquälerei für die Maus, sie kann im Todeskampf auch die Schlange verletzen“, sagt die Diplom-Biologin und appelliert an die Vernunft: „Jeder sollte vor dem Kauf eines Lebewesens nachdenken, ob er es artgerecht und dauerhaft halten kann.“

Werden Tiere in Gärten, auf Straßen oder Plätzen aufgegriffen, gelten sie offiziell für sechs Wochen als Fundsache, ehe sie an den Tierpark übergehen. In dieser Zeit könnten die Besitzer die Reptilien theoretisch wieder abholen. „Bisher ist aber noch niemand vorbeigekommen“, sagt Kaspari.

Sie will nun aus der Not eine Tugend machen. Das ehemalige kleine Kassenhäuschen im Eingangsbereich des Tierparks soll zu einem Terrarienhaus umgebaut werden. Dort sollen dann nicht nur die abgegebenen Schlangen gezeigt, sondern auch Info-Tafeln zur richtigen Haltung angebracht werden. Außerdem sind weitere Aufklärungsprojekte geplant.

 

Kommentar von Christian Lipovsek:

Tiere gelten in der Gesetzgebung leider immer noch als Sachen. Wer sie aussetzt und ermittelt wird (was selten vorkommt), muss  in der Regel mit geringen Strafen rechnen.  Ein großes Manko!  Man kann daher immer wieder  nur mit Nachdruck  an das Verantwortungsbewusstsein appellieren.  Kann ich ein Tier so halten,  dass es  vernünftig leben kann?  Habe ich Zeit und Geld dafür? Klare Sache: Lauten die Antworten nicht eindeutig Ja,  sollte man  sich keins anschaffen.

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erstellt am 02.Aug.2014 | 07:45 Uhr

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