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Vor 25 Jahren : Schlagzeilen aus einer anderen Zeit

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Herbst 1989 kamen täglich DDR-Flüchtlinge nach Neumünster. Der Courier hat damals viele Geschichten erzählt

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erstellt am 07.Nov.2014 | 05:15 Uhr

In den Monaten vor dem Fall der Mauer am 9. November 1989 war es noch lebensgefährlich, die DDR zu verlassen – trotzdem kamen täglich Übersiedler aus der DDR nach Neumünster. Das Rote Kreuz betreute damals die Zentrale Aufnahmestelle des Landes, die am Schleusberg angesiedelt war. Der Courier war täglich dort, um die interessantesten Menschen zu treffen und ihre abenteuerlichen Fluchtgeschichten aufzuschreiben. Die Artikel auf dieser Seite erschienen im September und Oktober vor 25 Jahren. Es sind Schlagzeilen aus einer anderen Zeit.

Jeder DDR-Bürger wurde in Neumünster äußerst freundlich begrüßt, jedem knatternden Trabant wurde auf der Straße fröhlich zugewunken. Die Neumünsteraner spendeten, wo sie nur konnten. Der Autor dieses Textes erinnert sich noch gut an einen Abend in der Kneipe Plantage (heute Wurst-Galerie) mit sechs jungen Übersiedlern (die von dem Foto oben links): Die Flüchtlinge wurden dort gefeiert wie Helden und den ganzen Abend freigehalten. Immer wieder mussten sie erzählen, wie das in der Prager Botschaft mit Außenminister Genscher war oder wie sie durch die Donau nach Ungarn geschwommen waren. Rainer Kuck, damals Inhaber der Plantage, war auch dabei: „Das war die totale Euphorie damals. Wir hatten uns doch alle mit den beiden deutschen Staaten abgefunden. Umso größer war die Freude über jeden Übersiedler.“

Auch sonst war die Hilfsbereitschaft der Westdeutschen riesig. Heidemarie und Hans-Hermann Otten aus Boostedt übernahmen spontan eine Patenschaft für eine DDR-Familie, besorgten ihnen eine Wohnung und einen Arbeitsplatz. Als der Courier über Ulrike Reinstädler und Michael Mielzarek berichtete, die ihre Brieftasche mit allem Geld verloren hatten, standen am nächsten Tag zwei Neumünsteraner in der Redaktion am Gänsemarkt und gaben 100 und 150 Mark für das junge Ost-Paar ab.

Morgen erscheint im Courier (und allen anderen Blättern des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags) die 64-seitige Beilage „Als die Mauer fiel“ mit vielen Geschichten aus dieser Zeit.

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