Urteil in Neumünster : Schlagstock im Auto: Transport nicht verboten

Gefährliche Waffen mit sich zu führen, ist verboten. Anders liegt der Fall, wenn die Waffe nur "transportiert" wird. Ein Rocker wurde überraschend freigesprochen.

shz.de von
09. Februar 2011, 10:26 Uhr

Neumünster | Dabei schien die Sache eigentlich sonnenklar: Bei einer Kontrolle auf einen Parkplatz an der A7 im Vorfeld der Kieler Woche hatte die Polizei den 34-jährigen Mann mit einem so genannten Teleskop-Schlagstock erwischt. Der ausziehbare Totschläger gilt als gefährliche Hieb- und Stichwaffe, das Mitführen in der Öffentlichkeit ist nach dem Waffengesetz verboten. Die Polizei kassierte den Schlagstock ein, und schickte dem Mann einen Bußgeldbescheid über 100 Euro nach Hause.
Dagegen legte der 34-Jährige Widerspruch ein - und machte sich schlau: Die Waffe habe er nicht mit sich geführt, sondern in einem geschlossenen Behältnis transportiert, argumentierte er vor dem Amtsrichter im aalglatten Juristendeutsch. Tatsächlich hatten die Beamten die Waffe seinerzeit im verschlossenen Handschuhfach seines Wagens aufgespürt. Der Schlüssel zu dem Fach hing am Schlüsselbund des Autoschlüssels. Das wurde damals sogar schriftlich festgehalten. Dadurch aber hatte der Mann keinen unmittelbaren jederzeitigen Zugriff auf die Waffe, wie es das Gesetz für eine juristische Ahndung verlangt.
"Ich hab die Waffe nur transportiert"
Wozu er die Waffe denn überhaupt mitgenommen habe, wollte der Richter von dem Neumünsteraner wissen. Der ließ sich aber auch davon nicht aufs Glatteis führen. "Zu gar nichts!", ließ er den Richter mit Unschuldsmiene wissen. Den Schlagstock habe er an diesem besagtem Tag eingepackt, um ihn nach Kiel zu bringen. "Ich wollte ihn meinem Bruder überlassen", sagte der 34-Jährige und lieferte die juristische Wertung seines Handelns gleich mit. "Ich hab die Waffe nur transportiert." Das aber ist nach dem Waffengesetz nicht verboten, wenn der Transport in einem geschlossenen Behältnis - hier einem abgeschlossenen Handschuhfach - erfolgt.
Da Richter und Staatsanwältin die Einlassung des Mannes nicht widerlegen konnten, blieb ihnen letztlich nichts anderes übrig, als sich der feinsinnigen Argumentation des einschlägig bekannten Rockers zu beugen. Dem Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid wurde stattgegeben. Die Zahlung von 100 Euro ist hinfällig. Diesmal fröhlich verließ der 34- Jährige den Gerichtssaal.
(shz)

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