Marktpassage in Neumünster : Schlag auf den Hinterkopf: Kinderarzt wird in der Praxis angegriffen

In der Kinderarztpraxis in der Marktpassage ereignete sich die Auseinandersetzung.
In der Kinderarztpraxis in der Marktpassage ereignete sich die Auseinandersetzung.

Weil ihm die Behandlung nicht schnell genug ging, wurde ein Mann gegenüber Mediziner Dr. Rolf Bigalke handgreiflich.

von
29. Dezember 2017, 08:00 Uhr

Neumünster | „Man will helfen, kann helfen – und dann kriegt man eine geknallt“ – Dr. Rolf Bigalke ist immer noch geschockt. Der Kinderarzt wurde kurz vor Heiligabend in seiner Praxis in der Marktpassage angegriffen, weil Angehörigen die Behandlung eines kleinen Patienten offenbar nicht schnell genug ging.

Zwei Männer, der Vater des kleinen Jungen und ein Begleiter, traten nach Aussage des Praxispersonals gleich fordernd aggressiv in der Praxis auf. Obwohl ihnen gesagt wurde, dass sie als nächstes dran seien, pöbelten sie herum.

„Ich habe versucht, sie zu beruhigen, gesagt, sie seien gleich an der Reihe. Aber das wollten sie nicht hören. Der eine wollte mir gleich eine donnern“, so Bigalke. Als er sie aufforderte, in eines der Behandlungszimmer zu gehen oder die Praxis zu verlassen, seien die beiden Männer erst richtig aggressiv geworden. „Wenn sich nicht ein Patientenvater dazwischen gestellt hätte, hätte ich schon einen Faustschlag abbekommen“, so Bigalke.

Als das Praxisteam die Polizei alarmierte, verließen die beiden Männer mit dem Kind unter lautstarkem Pöbeln die Praxis, rissen Sachen vom Tresen und von der Wand. Der Begleiter kehrte noch einmal zurück, versetzte Bigalke einen Schlag auf den Hinterkopf und zerriss sein Hemd. Dann kamen weitere Väter dem Mediziner zur Hilfe und drängten den Aggressor ab. „Das war sehr mutig“, so Bigalke.

Die Polizei erschien schließlich mit sechs Beamten, auch zwei Rettungswagen waren vor Ort. Zwei Kinder hatten einen Schock erlitten und wurden mit Bigalke ins Friedrich-Ebert-Krankenhaus gebracht. Dorthin hatten sich auch die beiden Männer mit dem Jungen aufgemacht, die Polizei stellte dort die Personalien fest.

Kinderarzt Bigalke ist seit dem Vorfall krankgeschrieben. „Ich war beim Psychologen, um zu klären, ob das Folgen hat. Ich muss schließlich angstfrei weiter behandeln können“, so Bigalke. Das sei eine neue Dimension von Gewalt, die er so noch nicht erlebt habe. Er hat über seinen Anwalt Anzeige wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung erstattet.

Beim Rettungsdienst trainiert man solche Situationen. „Es gab und gibt immer mal wieder Übergriffe, und das wird auch mehr“, sagt Karl-Heinz Herrmann. Der Leiter des Rettungsdienstes der Berufsfeuerwehr hat in einem Gremium zum Thema Gewalt gegen Einsatzkräfte mitgearbeitet, betont aber: „Neumünster ist da nicht mit Hamburg und der Reeperbahn zu vergleichen. Wir versuchen zu deeskalieren, ziehen uns eher zurück. Natürlich wird die Polizei gerufen und der Übergriff auch angezeigt.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen