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Neumünster : Schlägerei: Jugendliche mischen Jahrmarkt auf

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Bei mehreren Schlägereien am Wochenende gab es offenbar mindestens einen Verletzten. Die Schausteller fordern strengeres Vorgehen der Polizei.

Neumünster | Einige Jahre verliefen die Jahrmärkte auf dem Jugendspielplatz an der Carlstraße harmonisch und ruhig. Damit ist jetzt offenbar Schluss. Bei Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen gab es am Wochenende mehrere Polizeieinsätze und offenbar auch mindestens einen Verletzten.

Ein Beamter des zuständigen 2. Polizeireviers am Hansaring bestätigte gestern auf Nachfrage Schlägereien zwischen Jugendlichen sowohl am Freitag- wie auch am Sonnabendabend. Demnach seien jeweils Gruppen von fünf 17-18-Jährigen bereits am Freitag am Fahrgeschäft „Break Dancer“ aufeinander losgegangen. „Am Sonnabend gab es dann so etwas wie einen Racheakt der unterlegenen Gruppe“, so der Polizist. Zehn eingesetzte Kollegen stellten sowohl ein Klappmesser wie auch Pfefferspray sicher. Festnahmen oder Verletzte habe es aber nicht gegeben.

Dem widersprechen Augenzeugen. Eine Helferin des Deutschen Roten Kreuzes, das den Sanitätsdienst auf dem Jahrmarkt stellt, sprach gestern von mindestens einer verletzten Person. „Ich wurde am Sonnabend gegen 18 Uhr zum Fahrgeschäft gerufen, da war die Schlägerei in Gange. Es sollte eine schwerverletzte Person zwischen den Wohnwagen liegen. Die haben wir zwar nicht gefunden, aber ich habe einen jungen Mann mit dickem blauen Auge weglaufen sehen“, berichtete sie. Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, der beim Autoscooter aushilft, beschrieb seine Sicht: „Mindestens zehn Jugendliche haben immer wieder auf einen eindroschen. Danach waren hier mindestens 50 Polizisten, um für Ruhe zu Sorgen. Dabei haben sie einen jungen Mann an der Carlstraße auf die Straße gedrückt und anschließend mit Handschellen abgeführt.“ Eine weitere DRK-Helferin bekräftigte diese Version. „Da waren Kleinbusse mit Polizisten auch aus Eutin, die ich kannte. Vor den Schlägereien sammelten sich die Gruppen, es herrschte eine gespenstische Ruhe“, sagte sie.

Am Sonnabendabend gegen 23 Uhr gingen Jugendliche dann auch auf Angestellte des Autoscooters von Schausteller-Präsident Ludolf Fock los. „Zum Glück war die Polizei schnell da, so dass nichts weiter passiert ist“, sagte Fock gestern zum Courier. Er forderte ein konsequenteres Durchgreifen der Sicherheitskräfte. „Es nützt nichts, wenn die Platzverbote aussprechen. Die Jugendlichen sind nach einer halben Stunde trotzdem wieder da. Sie müssen in Gewahrsam genommen werden, bis die Veranstaltung zu Ende ist.“

Die Polizei hatte bis vor einigen Jahren eine eigene kleine Wache auf dem Jahrmarkt. Aufgrund der geringen Einsatzzahlen und Personaleinsparungen wurde sie durch gelegentliche Streifen ersetzt. Bis 2012 engagierten die Schausteller dann einen privaten Sicherheitsdienst aus ihrer Kasse. Den könnte es beim nächsten Jahrmarkt im August nun wieder geben. Auch über Einlasskontrollen denkt Fock nach: „Wenn die Stadt mitspielt, könnte man das Gebiet abzäunen und Störenfriede schon am Eingang abweisen“, sagte er.

Gestern Abend blieb die Lage bis Redaktionsschluss ruhig. Die letzte größere Schlägerei mit 40 Beteiligten hatte es 2006 auf dem Jahrmarkt gegeben.

Problem nicht kleinreden

Raufereien am Rande von Jahrmärkten sind beileibe nichts Neues. Immer schon musste die Polizei Störenfriede aus dem Verkehr ziehen. Neu in Neumünster ist aber, dass sich offenbar gezielt Gruppen verabreden, um im  Getümmel aufeinander loszugehen und so auch Familien mit Kindern in Gefahr bringen. Erstaunlich sind im aktuellen Fall die unterschiedlichen Darstellungen von Polizei und Augenzeugen. Während die Ordnungskräfte einen kleineren Einsatz ohne größere Auffälligkeiten beschrieben, sprechen Augenzeugen von tumultartigen Szenen und einem Großaufgebot der Beamten. Fest steht: Das Problem darf weder aufgebauscht noch kleingeredet werden. Wichtig ist nun, ein neues Sicherheitskonzept auszuarbeiten, damit das Volksfest auch ein Volksfest bleibt.

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erstellt am 12.Mai.2014 | 04:00 Uhr

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