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Reesdorf : Schilf macht aus Klärschlamm Dünger

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Abwasserzweckverband Bordesholmer Land (AZV) investiert 1,3 Millionen Euro in eine Vererdungsanlage. Die Bürger werden dadurch finanziell entlastet.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2015 | 08:00 Uhr

Bordesholm | Der symbolische erste Spatenstich für das Millionenprojekt kam mit etwas Verspätung. Er erfolgte erst, nachdem die Baufahrzeuge schon einige Tage auf dem Acker hinter dem Klärwerk in Reesdorf in der Straße An der Spökau arbeiteten. Dort entstehen jetzt Schilfbeete für eine sogenannte Klärschlammvererdungsanlage. 1,3 Millionen Euro wird das Projekt kosten. Trotz der hohen Investition soll es den Geldbeutel der Bürger entlasten.

„Das ist eine ziemliche Summe. Aber aus unserer Sicht ist der Betrieb auch mit Hinblick auf die Düngemittelverordnungen für die nächsten 20 Jahre gewährleistet“, sagte Helmut Tiede, der erste Vorsitzende des Abwasserzweckverbandes Bordesholmer Land (AZV), anlässlich des offiziellen Baubeginns.

Grund für die Umrüstung auf Schilfbeete zur Entwässerung des Klärschlamms ist das Alter der Kammerfilterpresse, wie Susanne Albert vom Bau-und Ordnungsamt Bordesholm erklärte. „Die Anlage wird stillgelegt, da sie in die Jahre gekommen und sehr wartungsaufwendig ist“, erklärte die Expertin. In etwa einem Jahr sollen rund 30  000 Schilfpflanzen die Arbeit übernehmen. „Das funktioniert im Prinzip wie in einer Kompostierungsanlage“, erläuterte Susanne Albert.

Auf dem einen Hektar großen Acker –
das sind 10 000 Quadratmeter – entzieht das Schilf dem auf die Beete geleiteten Klärschlamm das Wasser und rückt ihm mit Mikroorganismen zu Leibe. Das im Volumen deutlich reduzierte erdige Endprodukt kann als Düngemittel weiter verwendet werden.

Klärschlamm fällt bei der Reinigung des Abwassers in Kläranlagen an, man dürfe sich das aber nicht wie Schlamm vorstellen, sondern eher als dunkle Brühe mit festen Bestandteilen, so Susanne Albert weiter. Die Gemeinden Bordesholm, Bissee, Brügge, Reesdorf und Wattenbek gehören zum AZV und produzieren pro Jahr etwa 20  000 Kubikmeter dieser Brühe.

Die Bürger dürfen sich nun auf eine Entlastung ihrer Portemonnaies freuen: „Es wird eine fühlbare Senkung der Gebühren ab 1. Januar 2016 geben“, versprach Helmut Tiede. Denn trotz der hohen Investition wird an vielen Lkw-Bewegungen gespart, und auch der Kauf von Kalk, mit dem der Schlamm gebunden wurde, entfällt zukünftig.

Wenn nach etwa acht bis zehn Jahren die Pflanzen ihr Arbeitsleben beenden, werden die etwa zwei Meter tiefen Beete ausgebaggert und neue Pflanzen gesetzt. Der erdige Aushub kann laut Susanne Albert unbedenklich als Dünger ausgebracht werden: „Die Proben auf Chloride, Schwermetalle und viele andere Stoffe liegen deutlich unter dem Grenzwert.“

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