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Kindesmisshandlung : Schicksal der Zwillinge im Fernsehen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stern-TV berichtet über Kindesmisshandlung in einer Pfegefamilie im Kreis Segeberg. Bordesholmer Opfer schrieb über sein Martyrium

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2014 | 05:00 Uhr

Zehn lange Jahre wurden Fabian Pee (28) aus Bordesholm und sein Zwillingsbruder Sebastian von Pflegeeltern in einer Umlandgemeinde von Neumünster seelisch und körperlich gequält, misshandelt und gedemütigt. 1994 erstattete die Schwester der Pflegemutter endlich Anzeige. Nachdem Fabian Pee sein Martyrium in einem Buch veröffentlichte (der Courier berichtete), hat jetzt auch das Fernsehen den Fall aufgegriffen. Morgen, am Mittwoch, 26. Februar, berichtet Steffen Hallaschka von Stern-TV auf RTL in seiner Sendung um 22.15 Uhr ausführlich darüber.

Als Gäste eingeladen sind Fabian Pee und Saskia Guddat, Fachärztin am Institut für Rechtsmedizin der Charité Berlin, Mitautorin des Buches „Deutschland misshandelt seine Kinder“ und Mitglied mehrerer Kinderschutzorganisationen. Wir wurden „gehalten wie Sklaven und machten damals die Hölle durch“, sagt Fabian Pee. „Das alles unter staatlicher Aufsicht des Jugendamtes, einer wegschauenden, gut bürgerlichen Nachbarschaft mit gepflegten Vorgärten in einem Einfamilienhaus mit der Nr. 15“, sagt der Mann, der heute als Busfahrer arbeitet. Um die schrecklichen Erinnerungen, die er trotz Therapien nicht vergessen kann, besser zu verarbeiten, hat er mit Unterstützung des Altbürgermeisters Jürgen Baasch ein Buch geschrieben. Für ihn ist es ein Weg und ein Ventil, denn heute ist die Strafverfolgung verjährt – mit Ausnahme der mutmaßlichen Kindesmisshandlungen. Die verjähren erst zehn Jahre nach der Volljährigkeit. Doch damit die Staatsanwaltschaft den Fall aufrollen kann, hätten die gepeinigten Brüder angeben müssen, an welchem Tag zu welcher Zeit und wie lange sie damals misshandelt wurden. „Das kann ich natürlich nach all den Jahren nicht mehr“, so Fabian Pee.

Als die Geschichte der Zwillinge Schlagzeilen machte, las der Journalist, Autor und Kameramann Thomas Burian (51) aus Hamburg davon und nahm sich des Themas an. „Mich hat die Sache tief berührt, und ich bin erschüttert von Leuten, die damals zum Beispiel als Polizisten oder Pädagogen eine große Verantwortung trugen und dennoch nichts unternahmen. Sie schauten einfach weg“, sagte Burian am Wochenende während der Dreharbeiten für Stern-TV.

Mit zwei Kamerateams war er gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Alexander Harbi und dem Opfer Fabian Pee vor Ort und konfrontierte einige der Beteiligten mit der Leidensgeschichte der Jungen. Dazu gehören unter anderem die leiblichen Kinder der Pflegeeltern, der Pflegevater, die Nachbarn, Polizei, das Kreisjugendamt in Bad Segeberg sowie die Staatsanwaltschaft. Die Pflegemutter, die laut Fabian Pee die Haupttäterin gewesen sein soll, wollte sich laut Burian weder zu den Vorwürfen äußern noch vor die Kamera treten. Ihr damaliger Ehemann habe sich jedoch bei seinen damaligen Pflegekinder entschuldigt. Der Journalist konnte Fabian Pee außerdem dazu zu bringen, ihn in das Kellerverlies seines einstigen Zuhauses zu begleiten. Heute leben dort neue Besitzer. Auch dem Courier ist die Adresse bekannt. Mit Rücksicht auf die neuen Bewohner und Nachbarn wird sie jedoch nicht veröffentlicht.

Die Akten über den Fall der Pflegejungs liegen immer noch vollständig im Jugendamt des Kreises Segeberg. Die Schilderungen von Fabian Pee seien zwar nicht aus den Akten abzuleiten, aber sein Bericht sei absolut glaubwürdig, erklärte der Leiter Manfred Stankat. Der Fall Pee wurde bereits auf einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses von Stankat vorgestellt und von allen Teilnehmern mit Betroffenheit zur Kenntnis genommen. Unabhängig vom Schicksal der Brüder Pee hatte das Jugendamt ohnehin geplant, eine sogenannte Fall-Werkstatt einzurichten. Nun wird die Geschichte der Zwillingsbrüder das erste Beispiel sein, das auf diese Weise intern aufgearbeitet wird. Dabei soll auch beraten werden, wie Betroffenen geholfen werden kann.

 

 

Erschienen ist das Buch von Fabian Pee im Eigenverlag unter dem Titel „Misshandelt, verjährt. Kinderschänder auf freiem Fuß“ (ISBN 978-300-044367-1).

 

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