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Berufsschule : Schausteller werden auf den Job vorbereitet

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Walther-Lehmkuhl-Schule vermittelt als eine von drei Schulen berufliche Kompetenzen.

von
erstellt am 19.Feb.2016 | 17:00 Uhr

Neumünster | Im Schaustellergewerbe ist jetzt Saure-Gurken-Zeit. Viele fahren jetzt in den Urlaub oder bereiten ihre Fahrgeschäfte auf die kommende Saison vor. Nicht so Tom Plagmann. Der 16-jährige Husberger absolviert mit acht anderen Jugendlichen aus ganz Norddeutschland eine speziell auf den Schaustellernachwuchs zugeschnittene Berufsvorbereitung.

Seit etwa 15 Jahren vermittelt die Walther-Lehmkuhl-Schule (WLS) diesen BeKoSch-Kursus – das Kürzel steht für „Berufliche Kompetenzen für Schausteller“ und ist fast ein Alleinstellungsmerkmal. Nur zwei weitere Berufsschulen in Herne und Nidda bieten ebenfalls eine solche berufsvorbereitende Maßnahme an.

Auf Standardfächer wie Deutsch oder Mathe wird dabei bewusst verzichtet, erläutert Marlies Kozielski-Nuske, die Fachbereichsleiterin für Berufsvorbereitung an der WLS, das Konzept. Zum Kanon gehören stattdessen Themen wie Lebensmittelhygiene, Schweißtechnik, Medienkompetenz, Erste Hilfe oder auch Siebdruck und das Umgehen mit Airbrushlacken zur Plakatherstellung.

Auf dem dreiwöchigen Lehrplan stand ein Besuch im Lebensmittelinstitut KIN und von Kai Ebersbach, einem der Lebensmittelkontrolleure der Stadt. Marktmeister Jörg Wenzel erläuterte, worauf die Stadt Wert legt, wenn sich Schausteller für den Weihnachtsmarkt oder die Holstenköste bewerben. Polizist Marco Rose und Andreas Leimbach informierten zu Aspekten des Jugendschutzes. „So fachspezifisch ist eine Berufsvorbereitung selten“, sagt Kai Jost, der als Bereichslehrer für reisende Schülerinnen und Schüler den Schaustellernachwuchs betreut.

Tom Plagmann imponierte die praxisnahe Vorbereitung. Seine Eltern Corinna und Dirk sind Schausteller, die Großväter Kurt Plagmann und Siegfried Geißler waren es und reisten mit Schießwagen, Kettenflieger, Box- und Schaubude kreuz und quer durch die Republik. „Ich bin jetzt schon die vierte Generation“, sagt Tom. In Neumünster besuchte er die GS Brachenfeld – soweit das möglich war für eine Familie, die buchstäblich oft auf Achse ist. „Ich bin aber auch unterwegs immer zur Schule gegangen“, sagt er und fügt hinzu: „Beim 50. Ort habe ich aufgehört zu zählen.“

Zurzeit reist Tom mit seinen Eltern und einem Basketball-Spielgeschäft. Für ihn ist es keine Frage: „Ich möchte die Familientradition fortsetzen.“ Und deshalb hat ihm die Berufsvorbereitung an der WLS nicht nur Spaß gemacht, sondern auch etwas gebracht. „Das ist alles sehr praxisnah.“

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