Schaustellertreffen in Neumünster : Schausteller-Union: Sicherung von Volksfesten ist Aufgabe des Staates

Albert Ritter (64) ist seit 2003 Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, dem bedeutendsten Schaustellerverband weltweit, und zugleich auch Präsident der Europäischen Schaustellerunion. Er zeigt historische Jahrmarkt-Exponate.
Albert Ritter (64) ist seit 2003 Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, dem bedeutendsten Schaustellerverband weltweit, und zugleich auch Präsident der Europäischen Schaustellerunion. Er zeigt historische Jahrmarkt-Exponate.

Schaustellerbund-Chef Albert Ritter, beklagt, dass die Terrorsicherung an den Veranstaltern hängen bleibt „und dadurch die Fahrpreise für das Kinderkarussell ansteigen.“

shz.de von
26. Januar 2018, 08:45 Uhr

Neumünster | Am Sonntag beginnt der 69. Delegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) und Treff der Europäischen Schausteller-Union (ESU) auf dem Gelände der Holstenhallen. Eröffnet wird dieser von Landtagspräsident Klaus Schlie, Ministerpräsident Daniel Günther und Albert Ritter, dem Essener Präsidenten des DSB und der ESU. Sein Wort hat in der Branche Gewicht. Im Interview sprach er mit Courier-Redakteur Christian Lipovsek.

Herr Ritter, Sie sind mal wieder im Norden der Republik. Was bedeutet für Sie der Delegiertentag in Neumünster?
Er bedeutet mir und den Schaustellern insgesamt sehr viel. Es ist der Branchentreff, bei dem wir uns nicht nur über neuste Trends und Entwicklungen informieren, sondern auch politische Arbeit leisten. Das ist gerade jetzt in bewegten Zeiten sehr wichtig.

Was wird hier vor Ort besprochen? Welche Themen brennen den Schaustellern aktuell unter den Nägeln?
Oh, da gibt es einiges. Zum Beispiel, die Kosten für taktische Maßnahmen zur Sicherung von Volksfesten und Weihnachtsmärkten. Der Schutz der Menschen ist Aufgabe des Staates. Deshalb kann es nicht sein, dass wir die Kosten dafür übernehmen müssen und dadurch die Fahrpreise für das Kinderkarussell ansteigen. Da geht es um zig Millionen Euro.

Ein Thema sind auch immer die Energiekosten...
Genau. Da versuchen wir zu sparen, wo wir können. Schausteller waren zum Beispiel die ersten, die LED–Leuchtmittel verwendeten. Und jetzt sind wir Vorreiter beim Grünstrom. Trotzdem müssen Schausteller überall den teuren Baustellenstrom abnehmen. Wir fordern, dass wir die Preise für Gewerbestrom zahlen. Weitere Themen in Neumünster werden Bildung und Baurecht sein.

Wir wollen unter anderem eine Harmonisierung von allgemeinen Bauvorschriften. Wir wollen uns nicht von 16 verschiedenen Regelungen in den einzelnen Bundesländern das Leben erschweren lassen. Beim Verkehrsrecht schließlich geht es darum, dass wir oft weite Umwege fahren müssen, weil Brücken nicht instandgehalten werden.

Worauf freuen Sie sich denn am meisten?
Auf meine Freunde und Kollegen in Schleswig-Holstein, aber auch auf die Gespräche mit den Politikern. Ich habe in meinem Leben nur das gemacht, worauf ich Lust hatte und was mir Spaß macht. Und Vorsitzender eines so tollen Haufens zu sein, macht mir Spaß. Bei uns lautet der Grundsatz: Einigkeit macht stark! Im Notfall stehen wir alle zusammen.

Kennen Sie eigentlich Neumünster?
Selbstverständlich. Ich habe auch Freunde in der Stadt.

Gibt es denn Unterschiede zwischen Schaustellern in Nord und Süd, Ost und West?
Naja, in Bayern bestellt man eine Maß Bier, im Ruhrgebiet eher das 0,2. Aber es ist schon so, dass Schausteller sich überall auf der Welt erkennen. Und nach dem dritten Glas Rotwein sind auch alle Sprachunterschiede überwunden. Schausteller ist mehr Berufung als Beruf. Man ist Tag und Nacht im Einsatz.

Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Was machen Schausteller 2025 auf einem Jahrmarkt, falls es den dann noch gibt?
Da bin ich sicher. Jahrmärkte gibt es seit 1250 Jahren und es wird sie noch in 1250 Jahren geben. Kirmes kommt von Kirchenmesse. Das ist Tradition. Mit einem Mädel real im Autoscooter zu sitzen, kann kein Computerspiel und nichts Digitales ersetzen.

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