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Holsteinischer Courier

24. Oktober 2017 | 13:57 Uhr

Bauhandwerk : Schattenwirtschaft hat Konjunktur

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Kontrollen von Zoll und Ermittlungsgruppe Schwarzarbeit zeigen Wirkung. Verhängte Bußgelder erreichen neue Rekordhöhe

von
erstellt am 12.Okt.2017 | 08:00 Uhr

Neumünster | Die Konjunktur läuft rund und beschert dem Handwerk gut gefüllte Auftragsbücher. Der Schattenwirtschaft wird damit jedoch nicht der Nährboden entzogen. Im Gegenteil. Allerdings ist das Risiko gestiegen, bei unsauberen Praktiken vom Zoll oder der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Schwarzarbeit (EGS) der Stadt Neumünster und der Kreise Plön und Ostholstein erwischt zu werden.

So habe das Hauptzollamt Kiel im ersten Halbjahr 703 Betriebe geprüft – 55 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mit, die sich dabei auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke (Grüne) an das Bundesfinanzministerium beruft.

Danach seien allein im Baugewerbe 172 Arbeitgeber von den Zoll-Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit überprüft worden. Im Fokus dabei: illegale Beschäftigung, Lohn-Prellerei und Betrug bei der Sozialversicherung. Neumünsters IG-Bau-Bezirkschef Ralf Olschewski begrüßt die Ausweitung der Prüfungen. „Es ist offenbar die Botschaft angekommen, dass sich Schwarzarbeit nur durch mehr staatliche Kontrolle eindämmen lässt“, so Olschewski.

„Die gute Baukonjunktur führt auch bei uns zu einer hohen Trefferquote“, sagt Martin Boesmann, der die Gemeinsame Ermittlungsgruppe Schwarzarbeit leitet. Die Wahrnehmung der hier tätigen drei Ermittler: „Wir stellen bei unserem handwerks- und gewerberechtlichen Tätigkeitsschwerpunkt keinen Rückgang der Verstöße fest“, so Boesmann. Es bedürfe nach wie vor einer hohen Kontrolldichte. Boesmann: „Schwarzarbeit ist ein Kontrolldelikt.“

Carsten Bruhn ist Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Mittelholstein in Neumünster und Bad Segeberg und begrüßt die Kontrollen. Bruhn: „Die wettbewerbsrechtlichen Rahmenbedingungen müssen für alle gleich sein.“ Die Kreishandwerkerschaft melde daher Verdachtsmomente an die EGS und prüfe, ob Wettbewerbsverstöße vorliegen. Beispiele seien eine Werbung mit dem Meisterbrief, obwohl der gar nicht vorliegt. Oder ein Betrieb übe zulassungspflichtige Gewerke aus, ohne in der Handwerksrolle eingetragen zu sein. „Wir mahnen das über die Wettbewerbszentrale ab“, sagt Carsten Bruhn.

Die Erfolgsbilanz der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Schwarzarbeit kann sich sehen lassen. 2016 kontrollierten die Ermittler, zum Teil verstärkt durch Polizei oder Zoll und auch am Wochenende, frühmorgens und spätabends, 2018 Baustellen und dort 568 Personen. Die Kontrollen erstrecken sich auch auf Kleinanzeigen in Werbeblättern und Internetplattformen wie Ebay oder MyHammer.

200 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet, davon entfielen 49 auf Neumünster, 87 auf Ostholstein und 64 auf den Kreis Plön. Das Ergebnis waren 139 Bußgeldbescheide und festgesetzte Bußgelder in neuer Rekordhöhe von 316  000 Euro. Seit Einrichtung der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe im Jahr 1999 summieren sich die Geldbußen auf mehr als 2,8 Millionen Euro.

Kontaktdaten Ermittlungsgruppe Schwarzarbeit: Kreis Ostholstein, Lübecker Straße 37-41, 23701 Eutin, Tel. 04521-788699, Mail schwarzarbeit@kreis-oh.de

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