Neumünster : Sanitäter zwischen Bajonetten und Bomben

Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger (von rechts), Uwe Döring, Präsidiumsmitglied des DRK, und Henning Thomsen, zuständig für Bildung beim DRK-Landesverband, eröffneten die Ausstellung in der Holsten-Galerie.
Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger (von rechts), Uwe Döring, Präsidiumsmitglied des DRK, und Henning Thomsen, zuständig für Bildung beim DRK-Landesverband, eröffneten die Ausstellung in der Holsten-Galerie.

Bis Sonnabend können sich Besucher über die Geschichte und die Arbeit des DRK informieren.

shz.de von
31. Juli 2018, 09:30 Uhr

Neumünster | Ein Sanitäter aus dem Ersten Weltkrieg begrüßt seit gestern die Besucher der Holsten-Galerie. Allerdings steht hier kein echter Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), sondern eine Puppe, die die klassische Uniform trägt. Sie soll die lange Tradition der Helfer veranschaulichen, die bis in die heutige Zeit reicht. Sie ist Thema einer Ausstellung, die noch bis Sonnabend zu sehen ist.

„Wir wollen über unsere Geschichte und das humanitäre Völkerrecht informieren“, sagte Henning Thomsen, beim DRK-Landesverband zuständig für die Vermittlung für Bildung und Ausbildung, gestern bei der Eröffnung. Die Betrachtung ist dabei nicht nur historisch, sondern auch brandaktuell. So beklagt Thomsen, dass vor allem in den letzten Jahren das Völkerrecht immer öfter gebrochen wird. „Es geht soweit, dass unsere Symbole von Bombern als Fadenkreuz benutzt werden. Wir werden gezielt angegriffen“, sagte Thomsen. Allein in den letzten zwei Jahren seien in Syrien 100 Mitarbeiter des Roten Kreuzes getötet worden. „Es ist traurig, dass wir die Symbole abmontieren müssen, um unserer Arbeit nachkommen zu können.“ Diese Angriffe auf die Helfer im Syrien-Konflikt seien ganz klare Verstöße gegen das Völkerrecht, so Thomsen.

Der Konflikt zwischen Dänen auf der einen, Preußen und Österreich auf der anderen Seite war es, mit dem das Sanitätswesen in Schleswig-Holstein im Jahre 1864 seinen Anfang nahm. Die Ausstellung zeigt alle wesentlichen Entwicklungsschritte des DRK und dokumentiert die internationalen Vereinbarungen, die die Arbeit der Retter bis heute erst möglich machen.

Auch weniger bekannte Aspekte werden vorgestellt. „So ist es nicht immer ein rotes Kreuz, das wir als Symbol verwenden. In muslimischen Ländern benutzen wir einen roten Halbmond und in Israel einen roten Diamanten. Nur eines ist immer gleich: die Farbe“, erklärt Thomsen. Uwe Döring, Präsidiumsmitglied des DRK, fasste die Aufgaben der Organisation so zusammen: „Wir wollen Menschen helfen, die im Krieg in Not geraten sind.“ Viele kennen das Rote Kreuz heute als Blutspendedienst, auch dieser Aspekt wird beleuchtet. Nur wenige Meter neben der Ausstellung können Besucher Blut spenden.

Stadtpräsidentin Anna-Katharina Schättiger war eine der ersten Besucherinnen der Ausstellung. „Bei den Bildern, die hier hängen, bekommt man ein leichtes Schaudern“, sagt sie.

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