Neumünster : Sanierung in der Gartenstadt: „Flickenteppich und Buckelpiste“

Günstige Zwischenlösung zum Erhalt gefährdeter Straßen oder unzumutbare Buckelpiste? An den Sanierungsarbeiten in der Gartenstadt scheiden sich die Geister.
Günstige Zwischenlösung zum Erhalt gefährdeter Straßen oder unzumutbare Buckelpiste? An den Sanierungsarbeiten in der Gartenstadt scheiden sich die Geister.

Anlieger kritisieren die Straßensanierung mittels aufgeschweißter kleiner Asphaltstreifen.

shz.de von
24. Januar 2018, 08:00 Uhr

Neumünster | Ein neues Verfahren zur provisorischen Straßensanierung sorgt in der Gartenstadt für reichlich Aufregung. Heute Abend stehen die von vielen Anliegern als missglückt empfundenen Reparaturen im Stadtteilbeirat Gartenstadt auf der Tagesordnung.

„Bis vor wenigen Wochen hatten wir hier eine Straße mit reichlich Schlaglöchern“, erbost sich Jürgen Hohnstein, Anlieger am Birkenweg. „Jetzt präsentiert sich die Fahrbahn als einziger Flickenteppich – bestenfalls als Teststrecke für Fahrer von Geländewagen geeignet, die es mögen, ordentlich durchgeschüttelt zu werden.“

Hohnstein steht nicht allein mit seiner Kritik. „Wir haben in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe ähnlicher Beschwerden erhalten, bestätigt Stadtteilvorsteher Martin Kriese die Wut der Anlieger – nicht nur am Birkenweg: Auch in den Nachbarstraßen, etwa Am Neuen Kamp, an der Emil-von-Behring-Straße oder am Nachtredder wundern sich die Anlieger über die „merkwürdigen Reparaturen“, die die Stadt in den letzten Wochen des vergangenen Jahres ausführen ließ. Statt die zerfahrenen Fahrbahnen mit einer geschlossenen Asphaltdecke zu überziehen, haben die Straßenbauer magere Asphaaultstreifen von 15 bis 20 Zentimetern Breite aufgeschweißt – teilweise bis zu sieben mal nebeneinander. Weil die Streifen nicht nahtlos aneinander stoßen, gibt es zahlreiche kleine Absätze und Wellen, die die Straße in eine gefühlte Buckelpiste verwandeln.

Bei der Stadt will man die unschöne Begleiterscheinung nicht wegreden, steht aber zu dem neuen Reparaturverfahren. Bei der neuen Methode werden dünne Schichten Bitumen auf die Fahrbahn gepresst, um Risse und kleine Schlaglöcher abzudichten und damit das weitere Zerbröseln der Fahrbahn durch eindringendes Wasser und Tausalz zu stoppen. Erhoffter Effekt: Die Lebensdauer der angegriffenen Straße lässt sich zu vergleichsweise geringen Kosten um drei bis fünf Jahre verlängern.

Jan Duve vom Fachdienst Tiefbau will nicht ausschließen, dass es bei dieser „Zwischenlösung“ zu Unebenheiten in der Fahrbahn kommt. Die Alternative wäre allerdings, die Straße weiteren Frostschäden auszusetzen: „Unsere Haushaltmittel reichen leider nicht, um überall zu sanieren“, bedauert der Fachmann. Das Verfahren sei die wirtschaftlichste Methode, den Verfall maroder Straßen zu stoppen. Andere Städte hätten damit gute Erfahrungen gemacht.

Stadtteilvorsteher Martin Kriese will sich damit nicht zufrieden geben: Auf der Beiratssitzung heute Abend will er die Stadt auffordern, die Sanierungen im Quartier zu überprüfen und die sanierten Straßen in einen „zumutbaren Zustand“ zu versetzen. „Auch wenn die Sanierung laut Stadt technisch in Ordnung ist, so ergibt sich für die Anwohner doch das Gefühl, die Qualität ihrer Straße habe sich von schlecht zu katastrophal gewandelt.“

Die öffentliche Sitzung des Stadtteilbeirats beginnt am Mittwoch um 19 Uhr im Gemeinschaftshaus an der Domagkstraße.

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