zur Navigation springen

Restaurierung : Sanfte Kosmetik für Poseidons Nixen

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Mit 33 Jahren schuf Hilmar Friedrich das Kunstwerk vor dem Bad am Stadtwald. Mit 77 macht er sich jetzt an die Restaurierung.

Neumünster | Seit 44 Jahren begrüßen sie die Badegäste vor dem Eingangsfoyer zum Bad am Stadtwald. Der Meeresgott Poseidon und seine üppigen Nixen im Arm schmunzeln aus einem Meer von Felsen und Brandung vielversprechend auf die Besucher herab, bevor die sich erwartungsfroh selber in die Fluten stürzen. 1971, zur Eröffnung des neues Bades, schuf der Neumünsteraner Künstler Hilmar Friedrich (77) das über sechs mal zwei Meter große Keramik-Relief. Jetzt, 44 Jahre später, wird es vom Meister persönlich restauriert.

Nichts ist für die Ewigkeit, meint der inzwischen 77-jährige Künstler auf die Frage nach den Schäden trocken. Im Laufe der Jahre hat die Natur dem aus rund 300 Einzelkacheln zusammengesetzten Werk immer wieder mal zugesetzt. In den feinen Erhebungen und Ritzen findet der Schnee Halt, der bei schwerem Frost dann die empfindliche Keramik sprengen kann. Bereits vor 15 Jahren hat Friedrich das Kunstwerk schon einmal überholt, zuletzt verlor die rechts von Poseidon sitzende Nixe sogar Gesicht und Krone – für den mitleidenden Künstler Anlass, erneut aktiv zu werden.

Friedrich hat die fehlenden Keramikstücke anhand alter Vorlagen und Entwürfe nachmodeliert. Eine Freundin, die frühere Stadttöpferin Karina Klamp, hat sie in ihrer Töpferei in Sepel am Plöner See gebrannt. Die Materialkosten für die Restaurierung übernimmt das Bad am Stadtwald, Friedrich stiftet seine künstlerische Handarbeit.

„Poseidon mit zwei Nixen“ war 1971 eines der ersten größeren Werke des damals 33-jährigen Künstlers und Kunsterziehers, der unter anderem auch den kleinen Prinzen im Zugang vom Großflecken zur Lütjenstraße geschaffen hat. In einem Wettbewerb hatte sich Friedrich mit seinem Entwurf seinerzeit gegen so renommierte Mitbewerber wie den Neumünsteraner Bildhauer Georg Fugh (1898-1976, Rencks-Büste ) und den Möllner Künstler Karlheinz Goedtke (1915-95) durchgesetzt, der unter anderem den „Rufer über den Strom“ in Lauenburg und die Eulenspiegel-Plastik in Mölln geschaffen hat.

Für das in glasierter farbiger Baukeramik ausgeführte Relief vor dem Bad am Stadtwald erhielt Friedrich damals nach eigener Auskunft „einen fünfstelligen Betrag. Das war damals eine Menge Geld“, meint der Künstler nicht ohne Stolz.

Der am Bodensee aufgewachsene Künstler besuchte von 1959 bis 1964 die staatliche Hochschule für Bildende Künste in Karlsruhe und legte damit den Grundstein für ein Leben mit der Kunst. Nach zwei Jahren Referendariat in Freiburg verschlug ihn die Liebe zu seiner Frau Bärbel, die in Einfeld Lehrerin war, nach Neumünster, wo er 38 Jahre lang als Kunstlehrer an der Holstenschule arbeitete. Der Künstler mit eigenem Atelier ist vor allem für seine großformatigen wuchtig und expressiv gemalten Bilder bekannt, die häufig Sagen und Figuren aus der griechischen Mythologie aufgreifen.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 08.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen