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Holsteinischer Courier

23. August 2017 | 16:30 Uhr

Sammler und Jäger im weltweiten Netz

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die heutigen Sammelobjekte sind weniger Früchte, Beeren und Kräuter: Heute werden überall Daten gesammelt

Die Urmenschen unseres Planeten und auch die nachfolgenden Generationen werden ganz allgemein als „Jäger und Sammler“ bezeichnet. Dieser Begriff beinhaltet klar und einfach das Bemühen unserer Vorfahren, in einer rauen feindlichen Umwelt zu überleben und nicht zu verhungern. Diese Urinstinkte haben sich in den Genen festgesetzt und werden bei uns modernen, aufgeklärten Menschen gelegentlich, wenn auch in veränderten Formen, wieder zu neuem Leben erweckt. Wir jagen zwar keine Auerochsen, Hirsche oder Wildschweine mehr, um überleben zu können, unsere Jagdbeute sind dagegen überwiegend Euros und Dollars.

Die heutigen Sammelobjekte sind weniger Früchte, Beeren und Kräuter, sondern eher Briefmarken, Münzen, Kugelschreiber, Puppen, Teddybären und diverse andere Dinge – soweit, so gut.

Recht viel kritischer sollte man allerdings die neueste Sammelwut beobachten: Das Abfangen, Auswerten und Speichern persönlicher privater Daten in hunderten von Millionen Fällen. Diese Variante des Sammelns steht nach Meinung von Experten erst am Anfang und könnte sich im Laufe der Zeit zu einer kaum noch heilbaren Sucht-Krankheit entwickeln. Das wäre sehr bedauerlich für alle Betroffenen, sowohl den Daten-Süchtigen wie auch den Ausgespähten. Hier scheint sich eine bedrohliche Konkurrenz für die bereits bestehenden Süchte wie Alkoholismus, Rauschmittel-Konsum und andere zu entwickeln.

Ernsthafte Sorgen mache ich mir schon um die bedauernswerten Mitarbeiter der NSA und anderer Geheimdienste, die tagein, tagaus mit dem gesammelten millionenfachen geistigen Müll konfrontiert werden. Hier kann man nur eindringlich warnen, das hat ganz sicher negative Auswirkungen, vornehmlich auf geistigem Gebiet, aber vermutlich auch körperlich. Hier sollten wir als verantwortungsbewusste Bürger helfend eingreifen. Wie wäre es zum Beispiel mit gelegentlich eingefügten aufmunternden Sätzen wie: „Haltet durch, Ihr schafft es bis zur Rente!“

Kürzlich las ich in der Zeitung, dass die Geheimdienste mit Hochdruck an einem Super-Rechner arbeiten, der noch wesentlich mehr Daten aufnehmen, verarbeiten und speichern kann. Zusätzlich soll dieses Großgerät mühelos fast alle Verschlüsselungs-Techniken knacken können – ist das nicht toll? Einfach genial!

Mal ganz ehrlich , ich habe ein ungutes Gefühl und deshalb gehe ich mit den Möglichkeiten des World Wide Webs sehr, sehr vorsichtig um. Stattdessen bevorzuge ich häufiger Mitteilungen per Brief, befördert von der guten alten Post. Das dauert zwar etwas länger, aber meine Briefe wurden bis jetzt noch nicht geöffnet und der Inhalt nicht von Fremden gelesen. Ich hoffe, dass dieser Zustand noch recht lange erhalten bleibt.

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von
erstellt am 21.Feb.2014 | 13:02 Uhr

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