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Vor Gericht : Salafisten in Neumünster wollten 15-Jährige für IS werben

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Der Vater wehrte sich mit Prügel gegen Freunde seiner Tochter. Das Gericht stellt das Verfahren ein.

Neumünster | Radikale Islamisten sind in Neumünster offenbar aktiver, als in der Öffentlichkeit bislang bekannt ist. Das wurde am Dienstag bei einem Prozess vor dem Amtsgericht eher beiläufig bekannt.

Angeklagt war ein 46-jähriger Türke, der bei einem zufälligen Zusammentreffen Am Klostergraben einen Bekannten seiner 15-jährigen Tochter zusammengeschlagen hatte. Der Türke soll gemeinsam mit einem Freund im April vergangenen Jahres in dem Park auf den jungen Mann zugestürmt sein, ihn umgestoßen und auf ihn eingeschlagen haben, als der schon am Boden lag. Schließlich soll er ihm gedroht haben: „Das nächste Mal schlag ich dich tot!“

Der Angeklagte räumte zwar die Schläge ein – „wir haben am Boden gerangelt und uns geprügelt“ – bestritt aber die Todesdrohung. Er habe sich nicht mehr anders zu helfen gewusst, als den Widersacher zu verprügeln – „um meine Tochter da rauszuholen“, sagte der Mann. Dann beschrieb er dem Gericht seinen monatelangen Kampf um seine Tochter. Die habe sich zunächst unmerklich von ihm und der Familie abgekehrt, habe sich zunehmend streng religiös gegeben und sei offenbar immer stärker den radikal-islamistischen Einflüsterungen ihrer Freunde erlegen.

Das ging so weit, dass die Freunde eines Tages in der Wohnung standen, um die Tochter „im Namen Allahs“ abzuholen. Er solle das Mädchen freigeben, das jetzt ganz Allah dienen und nach Syrien gehen wolle. Nur mit Mühe habe er die Forderungen der Männer immer wieder abwehren können, sagt er dem Gericht. Noch schwerer sei es gewesen, den Zugang zur eigenen Tochter zurückzugewinnen, sagte der verzweifelte Vater. „Aber es ist doch meine Tochter, ich wollte sie nicht verlieren.“

Die Richterin, die im Vorfeld zu dem Prozess beim Landeskriminalamt (LKA) recherchiert hatte, bestätigte die Version des Angeklagten. Danach ist der ehemalige Freund der Tochter – das Opfer der Schlägerei – inzwischen nach Syrien ausgereist. Der Vater habe versucht, die Tochter zurückzuhalten, bestätigten die Ermittlungsbehörden.

Die Staatsanwältin lenkte daraufhin ein: Das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den Vater wurde mit ihrem Einvernehmen wegen geringer Schuld eingestellt. „Selbst wenn Sie den ersten Schlag ausgeführt hätten, hätte ich für die Einstellung plädiert. Sie sind einfach nur ein Vater, der versucht, seine Tochter vor der Salafisten-Szene zu retten“, bescheinigte die Richterin dem Angeklagten.

Der hat offensichtlich nicht nur vor Gericht gewonnen. Seine Tochter wohnt inzwischen wieder fest bei der Familie. „Sie hat versprochen, sich jetzt um die Schule zu kümmern“, sagte ihr Vater.

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erstellt am 01.Feb.2017 | 12:25 Uhr

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