Kinobühne : Saison endete mit Film über Folgen der Shoa

Sie sorgten auch in der Saison 2014/15  für ein gutes Programm: Die Menschen hinter den Kinobühne-Kulissen sind Stephanie Karadeniz (von links), Kathlen Weddermann, Kirsten Grabandt, Arne Sommer, Johanna Göb und Dieter Mordhorst.
Sie sorgten auch in der Saison 2014/15 für ein gutes Programm: Die Menschen hinter den Kinobühne-Kulissen sind Stephanie Karadeniz (von links), Kathlen Weddermann, Kirsten Grabandt, Arne Sommer, Johanna Göb und Dieter Mordhorst.

Der letzte Beitrag der Kinobühnen-Saison war ein ungewöhnlicher und sehr nachdenklicher Filme.

shz.de von
03. Mai 2015, 09:00 Uhr

Neumünster | „Das muss ich jetzt erst einmal sacken lassen.“ „Ein sehr aufwühlender Film, der mich sprachlos macht.“ So lauteten die ersten Reaktionen aus dem Publikum, als das Licht auf der Bühne wieder anging. Mit dem Dokumentarfilm „Farewell, Herr Schwarz – Schnee von gestern“ als letztem Beitrag der Kinobühnen-Saison hatte Arne Sommer einmal mehr sein gutes Gespür für ungewöhnliche Filme bewiesen.

„‚Farewell, Herr Schwarz – Schnee von gestern‘ ist ein Dokumentarfilm über die Folgen des Holocausts, der komplett auf Archivbilder und die üblichen Schuld- und Sühnefrage verzichtet. Trotzdem gelingt es der jungen israelischen Regisseurin Yael Reuveny während der gesamten 96 Minuten, die Zuschauer mit der Geschichte ihrer Großmutter und deren Nachfahren auf sehr emotionale Weise zu fesseln.

Yael Reuvenys Film zeigt eindrucksvoll, wie Familiengeschichten vererbt werden können. Wie eine weit zurückliegende Entscheidung das Leben von Generationen beeinflusst. Diese Aspekte und die Dramaturgie machen den Film so außergewöhnlich“, lobte Programmmacher Sommer den Film über das Leben von Feiv’ke und Michla Schwarz.

Feiv’ke Schwarz, ein Jude aus Wilna, wurde bei Kriegsende ermordet. Zumindest meinte das seine Schwester Michla. In dem Glauben, die einzige der ehemals großen Familie Schwarz zu sein, ging sie nach Israel. Ihre Kinder und Enkel wuchsen mit Michlas spärlichen Erzählungen auf. Tatsächlich aber überlebte Feiv'ke das KZ Buchenwald, heiratete nach dem Krieg in der ostdeutschen Kleinstadt Schlieben eine Deutsche, gründete eine Familie und lebte bis zu seinem Tod 1987 als DDR-Bürger in der Nähe des Lagers. Seine Schwester kontaktierte er nie.

Was hatte ihren Großonkel Feiv’ke dazu bewogen, in dem Land zu leben, das ihre Großmutter verflucht hatte und dessen Boden ihre Eltern „nie betreten wollten“? Auf der Suche nach der Wahrheit hinter der Familienlegende stößt Yael Reuveny auf Verdrängung und Skepsis. Nicht nur in Israel, auch ihre „neue“ deutsche Familie reagiert mit sehr gemischten Gefühlen auf die, ihnen unbekannten, Seiten von Peter, wie Feiv’ke sich in der DDR nannte.

Die Suche nach verlorenen Verwandten hat eine ganze Generation in Europa geprägt und tut es noch. Auch vor diesem Hintergrund sollte man sich „Farewell, Herr Schwarz – Schnee von gestern“ ansehen.

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