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Stadtgeschichte : Sager war einst die größte Lederfabrik

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

1934 wurde auf dem Grundstück die Hindenburg-Kaserne gebaut. Milzbrandsporen im Boden belasten noch heute die Umwelt.

Neumünster | Neumünster in Schwarz-Weiß: Die historische Luftaufnahme zeigt mit der Lederfabrik Hermann Sager ein Stück längst vergangener Industriegeschichte. Das Unternehmen wurde 1889 direkt neben der Heider Bahn auf dem Grundstück an der Carlstraße 84 von den Tuchmachersöhnen Bartram und Stender gegründet. 1892 trat Hermann Sager in die Firma ein und wurde 1897 Alleineigentümer.

Nach kleinen Anfängen mit nicht einmal 20 Beschäftigten arbeiteten zu Hoch-Zeiten fast 1000 Arbeiter auf dem Firmenareal, das allein 100  000 Quadratmeter bebaute Fläche umfasste. Bearbeitet wurden jährlich bis zu 600  000 Häute, vornehmlich Rindshäute für die Schuh- und Stiefellederproduktion, daneben auch Treibriemen und andere technische Leder. Sager hatte einen eigenen Gleisanschluss. Acht Dampfkessel erzeugten die Kraft, die Hälfte davon zur Herstellung der Lohextrakte in einer der größten derartigen Anlagen auf dem Kontinent.

Zur Firma gehörten auch 10 Hektar eigene Rieselfelder zur Beseitigung der Gerbereiabwässer, eine Baumschule zur Verrieselung im Stadtwald und am Heldenhain sowie weitere große Flächen zur Verrieselung. Den Klärschlamm nutzte Sager in der eigenen Landwirtschaft.

Das Foto und weitere gestochen scharfe Luftaufnahmen hat der Brachenfelder Heimatforscher Hermann Büttner in einer Magistratsakte beim Fachdienst Natur und Umwelt der Stadt aufgestöbert. Die Fotos müssen vor 1929 entstanden sein, denn die Weltwirtschaftskrise führte zum Zusammenbruch der Nachfrage auf den internationalen Ledermärkten und zum Konkurs von Sager.

Das Fabrikgelände wurde abgerissen, planiert und 1934, als die Nationalsozialisten mit der Aufrüstung begannen, von der Stadt gekauft. Auf dem Gelände entstand dann die Hindenburg-Kaserne. Sie wurde 2003 als letzte der drei großen Kasernen in der Stadt geräumt.

Die Altlasten aus der Zeit der Lederfabrik stellen noch heute ein latentes Problem dar. Die Milzbrandsporen im Boden können auch nach Jahrzehnten noch gefährlich sein. Daher werden selbst in dieser Woche noch Bodenproben von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima, gezogen. Sie ist der Eigentümer des verbliebenen Kasernenareals. Einen Teil hatte die Stadt für ihr neues Gefahrenabwehrzentrum gekauft.

Die „vermutlich finale Altlastenuntersuchung läuft noch bis Ende dieser Woche“, teilte die Bima auf Courier-Anfrage mit. Bis zum Jahresende könnte ein erster Ergebnisbericht vorliegen. Nach der Auswertung der Ergebnisse will sich die Bima erneut mit der Stadt zusammensetzen, um über die künftigen Nutzungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu beraten. Parallel laufe eine Untersuchung mit Blick auf das neue Denkmalschutzgesetz. 

 

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erstellt am 29.Okt.2015 | 15:00 Uhr

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