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Holsteinischer Courier

19. August 2017 | 10:02 Uhr

Nortorf : Sabine Kaack: Zurück zu den Wurzeln

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Die Schaupsielerin lebt wieder in Nortorf und widmet sich der plattdeutschen Sprache.

Nortorf | Das Eiscafé am Nortorfer Marktplatz gab es während ihrer Mädchenjahre noch nicht. Damals war in dem Gebäude die Meierei, schräg gegenüber hatte ihr Onkel ein Geschäft. Sabine Kaack erinnert sich noch daran, wie mit einer Milchkanne eingekauft wurde. In Neumünster ist die geboren, in Nortorf ist sie aufgewachsen. Nun hat Sabine Kaack Berlin den Rücken gekehrt, lebt seit Ende 2013 wieder im Norden. Warum? „Es ist meine Heimat“, sagt sie ganz unprätentiös. Sie schnackt wieder Platt und hat viele Pläne für die Zukunft.

„Plattdeutsch ist meine Muttersprache“, erklärt Sabine Kaack. In ihrer Kindheit wurde es allerdings von der Schule nicht gern gesehen, wenn die Kinder Niederdeutsch sprachen. „Die Lehrer hatten Angst, dass wir dann durcheinander kommen“, erinnert sie sich und schüttelt heute ungläubig den Kopf über diese Annahme. Also sprach ihre Großmutter heimlich mit ihr Platt. Der Beruf führte die Schauspielerin dann an viele Orte, Hochdeutsch war angesagt. Aber die Erinnerung blieb.

Heute führt sie das Plattdeutsche an viele Orte in Schleswig-Holstein. „Moin moin“, begrüßt sie fröhlich ihr Publikum. Sabine Kaack freut sich, ganz in ihrer Nachbarschaft auftreten zu können – im Landgasthof von Groß Vollstedt. Die Gäste sind gespannt. Viele kennen die Schauspielerin aus der Erfolgsserie „Diese Dombruschs“ und schnacken zu Hause selber Platt. Seit gut zwei Jahren tourt Sabine Kaack „Över’t Land“, so der Titel von Programm und Buch. Die Idee hatte nach und nach Gestalt angenommen. „Viele lesen Plattdeutsch“, erklärt die Nortorferin, „aber meist ihre eigenen Erzählungen“. Sie wollte hingegen den Blick darauf lenken, was für schöne Geschichten und Gedichte von Schriftstellern wie Waltrud Bruhn, Theodor Storm, Jep Nissen Andersen, Klaus Groth und Paul Trede verfasst wurden. Die Verlegerin Gabi Wachholtz unterstützte das Projekt, der Maler Klaus Fußmann („Mein Nachbar in Berlin“) steuerte Bilder bei, und Sabine Kaack las einige Titel für eine  CD ein, die dem Buch beiliegt.

Es ist ein Vergnügen, ihr zuzuhören. Ob es mit Ludwig Frahm „In’t Redder“ geht oder ob man mit Johann Hinrich Fehrs „De Spinnfru“ begegnet – immer verleiht sie den Erzählungen durch die Modulation ihrer Stimme das gewisse Etwas, so dass die Umgebung vergessen ist und Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Begleitet wird sie von einem jungen Musiker aus Kaaks im Kreis Steinburg. Ben Heuer (23) hat einen kleinen Koffer voller Mundharmonikas dabei und unterstützt die erfahrene Akteurin kongenial. „Er könnte mein Sohn sein“, sagt Sabine Kaack von dem Musiker. Ihr Sohn Pelle (21) lebt nach der Trennung von ihrem Mann und der Rückkehr nach Nortorf nach wie vor in Berlin. Sie vermisst die Großstadt nicht. Aber reist nach wie vor viel. Obwohl sie sagt: „Ich bin gerne in der Region und froh, wenn ich nicht so oft unterwegs sein muss.“ Schließlich möchte sie auch das neue Nortorfer Domizil – ein Haus aus den 50er-Jahren – genießen können. „Ich bin hier zu Hause“, betont sie noch einmal. Im Garten möchte sie eigenhändig arbeiten, und den Job nicht einem Gärtner überlassen. Und dann sind da noch die Doppelkopf-Runden mit ihren Freundinnen, die sie nicht verpassen möchte. Es sind Verbindungen aus der Grund- und Realschulzeit, die über all die Jahre nicht abgerissen sind. Der Großteil der 18 Frauen lebt in Nortorf und Umgebung. Sie haben sich gesehen, wenn die Schauspielerin auf Heimatbesuch war. Freundin Karin war es, die ihr geholfen hat, die Plattdeutsch-Kenntnisse wieder zur reaktivieren – indem sie als „Lehrerin“ ihre Mutter Gertrud Thietje (85) vermittelt hat.

Im Eiscafé sprüht Sabine Kaack vor Lebenslust, wenn sie von ihren Plänen erzählt. Sie würde gerne ein Buch mit Geschichten von Hans-Heinrich Rottgardt herausgeben, einem geborenen Nortorfer, der als Kind nach Neumünster kam. Aber da sind ja auch noch die von ihr konzipierten Literaturkonzerte, und ihr neuestes Standbein, das Coaching in Körpersprache und Stimme für Frauen.

 

 

 

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erstellt am 15.Mär.2015 | 10:00 Uhr

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