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Protestaktion : Runder Tisch bremst Rechtsextreme aus

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Wahlkampfstand der NPD fand viel Beachtung bei Polizei und Gegendemonstranten. Mit Trillerpfeifen und Kuhglocken gegen rechte Parolen.

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 07:46 Uhr

Neumünster | Es war eine Wahlkampfaktion der gespenstischen Art: Unter massiver Polizeibegleitung haben Aktivisten der rechtsextremen NPD am Sonnabend erstmals in der Innenstadt ihre Faltblätter zur Kommunalwahl verteilt. Viel Material brachten sie an ihrem Stand an der Mühlenbrücke allerdings nicht unters Volk. Etwa zwei Dutzend Unterstützer des Runden Tisches für Toleranz und Demokratie begleiteten die Aktion aus gebührendem Abstand heraus und begannen, wann immer am NPD-Stand per Megaphon das Wort erhoben wurde, ein gellendes Pfeifkonzert oder rasselten mit Kuhglocken. Etwa 12 bis 15 NPD-Vertreter versuchten sich vergeblich Gehör zu verschaffen.

Vor und hinter dem NPD-Stand postierten die Protestler Mülltonnen, in denen Passanten "versehentlich" entgegengenommenes Werbematerial der NPD entsorgen konnten. Rund um den Stand verteilten sie Flugblätter, mit der Aufforderung, sich aktiv gegen rechtsextreme Positionen zu stellen und am 26. Mai zur Wahl zu gehen, um die Wahlchancen der NPD klein zu halten. Der Aufruf wird auch von der Ratsversammlung unterstützt und wurde am Wochenende an allen Wahlkampfständen der übrigen sieben zur Wahl antretenden Parteien verteilt.

Der massive Polizeieinsatz - allen im Bereich Teichufer und Kleinflecken warteten den ganzen Vormittag über rund 20 Einsatzfahrzeuge - war allerdings nicht allein der NPD geschuldet. Vor Karstadt auf dem Großflecken verteilte zeitgleich eine Gruppe radikalislamischer Salafisten kostenlose Koranexemplare an Passanten. Die Polizei wollte offenbar ein Zusammentreffen der verfeindeten Gruppen auf jeden Fall verhindern. Wie viele Einsatzkräfte sie dafür in Neumünster zusammengezogen hatte, wollte sie nicht verraten. Eingreifen brauchten die Beamten jedoch nicht. Sowohl auf dem Großflecken als auch am Kleinflecken blieb es friedlich.

Der Runde Tisch zeigte sich zufrieden mit der gut dreistündigen Störaktion an der Mühlenbrücke, mahnte aber, aufmerksam zu bleiben: "Wir wollen auf keinen Fall, dass die Präsenz der Nazis in der Öffentlichkeit zur Gewohnheit wird. Wir werden uns insgesamt noch sehr anstrengen müssen, um die Wahlbeteiligung anzuheben, damit die Nazis hier keinen Anklang finden", resümierte Christof Ostheimer vom Runden Tisch.

Bis in den späten Nachmittag waren die Salafisten mit ihrem Stand in der Stadt präsent. "Wir verteilen Korane, damit sich jeder aus der wahren Quelle informieren kann, bevor er über etwas redet, wovon er nichts versteht", meinten die Standbetreiber, die alle aus Neumünster und Umgebung kommen aber anonym bleiben wollten. Laut Verfassungsschutz orientieren sich Salafisten an der islamischen Frühzeit. Danach stellen sie ihren Glauben über die weltliche Gesetzgebung.

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