Silvesterbrauch : Rummelpott – eine Tradition lebt weiter

Generalprobe: Darlin (15, von links), Emely (8) und Tessa (14) laufen heute Rummelpott und singen dabei ein eigenes Lied.
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Generalprobe: Darlin (15, von links), Emely (8) und Tessa (14) laufen heute Rummelpott und singen dabei ein eigenes Lied.

Nicht nur in Tungendorf ziehen die Kinder kostümiert von Tür zu Tür und singen. Als Lohn winken Süßigkeiten und kleine Geldgeschenke

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31. Dezember 2014, 15:30 Uhr

Neumünster | „Lieschen, mok de Dör op, de Rummelpott will rin.“ Emely Wöhlk (8) wird heute Abend mit ihrer großen Schwester Darlin (15) und deren Freundin Tessa Lettau (14) in Tungendorf singend von Haustür zu Haustür ziehen. Sie hoffen auf Süßigkeiten und ein wenig Kleingeld. Doch der alte Brauch, zu Silvester Rummelpott zu laufen, ist seltener geworden; Halloween läuft dem Rummelpott auch in Neumünster ein bisschen den Rang ab. Aber trotzdem lebt die Tradition immer noch.

Zum Beispiel bei Tessa, Darlin und Emely, die sich als Glücksbärchen kostümieren wollen. Ihre Rummelpott-Ausrüstung haben sie sich selbst gebastelt. Schon die Eltern Sabine (34) und Heiko (35) und auch Opa Peter Wöhlk (71) sind Rummelpott gelaufen und kommen auch diesmal als Begleitschutz mit. „Wir haben damals schwarze Tusche genommen und durchs Gesicht gezogen, eine Kapuze auf, die Jacke umgedreht angezogen und den Leinensack auf dem Rücken“, erinnert sich Peter Wöhlk. Und natürlich durften der Rummelpott und eine Teufelsgeige nicht fehlen.

„Der Rummelpott ist eine Schweinsblase, die über eine Konservendose gezogen wurde“, erklärt Peter Wöhlk. Ein Stock in der Mitte wurde auf diesem Resonanzboden hoch- und runtergezogen. „Das machte dann wumm, wumm, wumm“, so Wöhlk. Für die Teufelsgeige nahm er sich einen Besenstiel und band zwei Topfdeckel zum Klappern daran. „Und dann haben haben wir mehr oder weniger gut gesungen – natürlich op platt (siehe Text am Ende) – und waren froh, wenn es ein paar Äpfel oder Nüsse gab.“

Sabine und Heiko Wöhlk haben den Brauch an ihre Kinder weitergegeben. Tessas Mutter Melanie Lettau (40) läuft selbst gern noch Rummelpott. „Da gibt es dann statt Äpfel oder Nüssen auch schon mal einen Sekt oder Kurzen“, sagt sie und lacht. „Viele alte Tungendorfer freuen sich, dass dieser alte Brauch noch nicht ganz verschütt gegangen ist. Sie zücken dann den Fotoapparat und machen eine Aufnahme“, sagt Melanie Lettau. Sie räumt dann ein: „Wir sind aber vom Plattdeutschen weg und haben unsere Lieder selbst gedichtet.“

Auch Tessa, Darlin und Emely singen ein modernes Rummelpottlied und haben das schon schon einmal vorab geübt und einstudiert. Nach der Melodie des Seemannsliedes „What shall we do with the drunken Sailor“ stimmen sie darin an: „Wir laufen heute Rummelpott, denn heute ist Silvester. Hey, ho, guten Rutsch, hey, ho, guten Rutsch ...“

Mit einem Augenzwinkern verrät Tessa Lettau: „Zu Halloween sind wir auch unterwegs.“ Dann heißt es nicht „De Rummelpott will rin“, sondern „Süßes oder Saures“. Zumindest bei der Ausbeute liegt der Rummelpott noch vorne. Tessa: „Zu Silvester gibt es mehr Geschenke.“

Rummelpott Das Lied

Lieschen, mok de Dör op

de Rummelpott will rin.

Hau de Kat den Schwanz aff,

hau em nich to lang aff,

latt´n lüttn Stummel stahn,

denn wi wüllt noch wieder gahn.

Een Hus wieder wohnt de Snieder,

een Hus achter wohnt de Slachter,

en Hus wiederan wohnt de Wiehnachtsmann.

Een, twee, dree, veer,

giv man lütten Appel her.

Een, twee, dree, veer,

giv man lütten Penning her.

Witten Tweern, swarten Tweern,

düsse  Fru, de gift  recht gern

oder: düsse Olsch, de gift nich gern.

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