Stadtwerke Neumünster : Rüben-Biogasanlage steht auf der Kippe

Minister Altmaiers Strompreisbremse bringt Kalkulation ins Wanken. Kompostierung wird 2015 geschlossen.

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16. März 2013, 08:15 Uhr

Neumünster | Die von den Stadtwerken in Wittorferfeld geplante Biogasanlage zur Energieerzeugung aus Rüben wird sich verzögern, ja steht vielleicht sogar ganz auf der Kippe. "Das 20-Millionen-Euro-Projekt steht auf dem Prüfstand", bestätigte der Leiter des SWN-Wertstoffzentrums, Dr. Norbert Bruhn-Lobin. Ursache ist die sogenannte Strompreisbremse von Bundesumweltminister Peter Altmaier.

Sie bringt die bisherige Kalkulation ins Wanken. Dass durch die Bundestagswahl die Karten beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) neu gemischt werden könnten, sorgt zusätzlich für Verunsicherung in der Branche. "Wir nutzen die Zeit, um das ganze Projekt nochmal neu zu eichen", sagte Bruhn-Lobin: "Wir wissen nicht, wie das EEG aussehen wird. Das Ganze ist ein politischer Markt."

Bruhn-Lobin stellte gestern den Jahresbericht des SWN-Wertstoffzentrums vor, zu dem neben der Mechanisch-Biologischen Abfallbehandlungsanlage (MBA) auch die Biokompostierung, der Recyclinghof und die Deponie gehören. Die Deponie wird im August 2014 geschlossen, die Kompostierung spätestens 2015 durch eine neue Vergärungsanlage ersetzt. Sie wird rund zehn Millionen Euro kosten, mit 40 000 Jahrestonnen größer ausgelegt und dabei deutlich emissionsärmer als die bisherige Kompostanlage sein. Das Genehmigungsverfahren soll im zweiten Halbjahr 2013 anlaufen, der Baubeginn ist für 2014 vorgesehen. "Der Gesetzgeber will mehr Bio. Es wandert noch zu viel Bioabfall in die graue Tonne", sagte Bruhn-Lobin.

Mit einer Anschlussquote von 36 Prozent bei der grünen Tonne liegt in Neumünster noch einiges im Argen. Der Kreis Segeberg hat seit Jahresbeginn ein neues Gebührenmodell, das die Eigenkompostierung nicht mehr so attraktiv macht. Bio ist dort die Leit-Tonne. Wer sie nicht will, spart nur marginal. Bruhn-Lobin hält das für den richtigen Weg: "Es ist viel billiger, Bioabfälle auf dieser Schiene durch Vergärung zu entsorgen als über die graue Tonne und die MBA."

Die MBA verarbeitete 2012 etwa 191 000 Tonnen Restabfälle aus Neumünster, Flensburg und den Kreisen Rendsburg-Eckernförde, Plön und Nordfriesland. Hinzu kamen weitere 57 000 Tonnen vorbehandelte Abfälle aus anderen Anlagen. In der Summe entstanden 157 000 Tonnen Ersatzbrennstoff, der hauptsächlich in die TEV an der Bismarckstraße ging, zu einem geringen Teil auch ins Flensburger Kraftwerk. Insgesamt wurden so 80 000 Tonnen Steinkohle eingespart.

"Wir sind die größte noch lebende MBA in Deutschland", sagte Bruhn-Lobin. Die anderen seien "den Abfalltod gestorben, weil sie nicht mehr die Mengen bekommen, für die sie ausgelegt sind". Für Neumünster sprechen die zentrale Lage und die Verwertungsanlage mit der TEV im eigenen Haus. 130 Arbeitsplätze werden so in Wittorferfeld gesichert.

Dass bisher zehn Millionen Euro in den Emissionsschutz investiert wurden, zahlt sich nun aus. Die an den Filtern und Schornsteinen gemessenen Schadstoffwerte lagen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten und denen der strengeren Selbstverpflichtung der SWN. Bei Dioxinen und Furanen liegt die MBA an der Nachweisgrenze.

Die Geruchsbelästigung ist kein Thema mehr, sagte Bruhn-Lobin. Nach erheblichen Problemen in den Anfangsjahren lagen die SWN 2012 erstmals deutlich unter den Werten, die den Anliegern laut Gesetzeslage zuzumuten sind. Das liegt nicht nur an der verbesserten Technik, sondern auch am engagierten Sicherheitsdienst. Er sorgt, so Bruhn-Lobin, für "mehr Disziplinierung. Früher ging bei Wartungsarbeiten oder weil es drinnen zu heiß war, schon öfter mal das Tor auf."

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