zur Navigation springen

Verkehrsplanung : Rondell soll wieder Kreuzung werden

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Stadt nutzt Bauarbeiten in der Legienstraße, um ein Dauerärgernis aus dem Weg zu räumen. Verwechslung mit Kreisverkehr sorgte für viel Streit

Neumünster | Quietschende Reifen, genervtes Gehupe, Autofahrer , die sich lautstark gegenseitig die Schuld zuschieben: Der Kreisel auf der Kreuzung Legienstraße/Stegerwaldstraße sorgt seit Jahren für Beinahe-Unfälle und heftige Auseinandersetzungen auf offener Szene. Jetzt will die Stadt Abhilfe schaffen und das Rondell wieder zu einer normalen Kreuzung umgestalten – falls der Bauausschuss dafür grünes Licht gibt.

Das Problem: Viele Autofahrer halten das Rondell mit dem Baum in der Mitte für einen Kreisverkehr, in dem Autofahrer, die sich bereits im Kreisel befinden, Vorfahrt genießen. Das ist jedoch ein Irrtum: Weil die Kreuzung komplett in einer Tempo-30-Zone liegt, ist hier eigentlich kein Kreisverkehr vorgesehen. Tatsächlich ist die Kreuzung auch nicht als Kreisverkehr ausgeschildert (blaues Schild mit drei sich verfolgenden weißen Pfeilen). Auf der Kreuzung gilt daher wie an allen anderen Kreuzungen der Tempo-30-Zone rechts vor links.

„Es gab immer wieder Beschwerden von Autofahren und Anliegern, die die Situation vor Ort für unglücklich oder gar gefährlich halten, wir möchten den Bereich übersichtlicher machen“, begründete Verkehrsplaner Michael Köwer gestern den Vorstoß. Die Planer schlagen vor, die Einmündung Stegerwaldstraße /Legienstraße um die bestehende Bauminsel herumzuziehen (siehe Grafik). Der Baum stünde dann nicht mehr in der Straßenmitte, sondern im nördlichen Winkel des künftigen Straßenkreuzes. Die abgeschnittene Kreuzungsfläche könnte dann entsiegelt und neu begrünt werden. Lediglich der vom Hansaring kommende Fußweg, der in einer weiten Rechtskurve in die Stegerwaldstraße führt, würde erhalten bleiben und noch an die alte Regelung erinnern. Auch bei der so verkleinerten Kreuzung würde für alle vier Straßenachsen eine Fahrbahnbreite von 6,50 Meter erhalten bleiben, wirbt Köwer für diese Variante.

Die Alternative wäre, den Kreisel, der bislang keiner ist, tatsächlich zu einem Kreisverkehr auszubauen. Köwer sieht dazu allerdings keinen Anlass. Für die Abwicklung des Verkehrs sei das nicht nötig, sagt der Verkehrsplaner.

Dabei war gerade der angeblich zunehmende Durchgangsverkehr Auslöser für die Einrichtung des Rondells in den 90er-Jahren. Über Monate hatte der damalige Stadtteilbeirat mit der Stadt um einen Verkehrsberuhigung gestritten, um Autofahrern den Schleichweg vom Hansaring zur Wasbeker Straße über Legienstraße und Memellandstraße madig zu machen. In einem Verkehrsversuch wurde dazu sogar die Legienstraße vorübergehend komplett gesperrt. Als Kompromiss einigte man sich schließlich auf den Kreisel, der den Durchgangsverkehr bremsen, Autofahrer zum Langsamfahren anhalten sollte.

Dass die Kreuzung überhaupt so groß ausfällt, hat historische Gründe: Unter der Legienstraße verlaufen noch Reste der meterdicken Betonbahnen des ehemaligen Luftwaffenflugplatzes, auf dem nach dem Krieg die Böcklersiedlung entstand.

Grünes Licht vom Bauausschuss vorausgesetzt, könnte der Umbau der des Kreisels bereits in den kommenden Wochen starten, sobald die Stadtwerke ihre Bauarbeiten an der Stegerwaldstraße beendet haben. Die bisherige Fahrbahnmarkierung soll dann gar nicht erst wieder aufgebracht werden.

 

STANDPUNKT

von Jens Bluhm

Manchmal braucht  Vernunft etwas länger, um zum Zuge zu kommen. Im Fall des Kreisels  in der Legienstraße brauchte sie über 20 Jahre, das  sollte  jetzt eigentlich reichen: Schafft den Kreisel  in der Böcklersiedlung wieder ab! Das merkwürdige Zwischending zwischen einem Kreisverkehr und einer normalen Kreuzung war von Anfang an eine Fehlkonstruktion, was zugegebenermaßen auch den technischen Gegebenheiten vor Ort  geschuldet ist. Weil die Straße  bereits bei ihrer Anlage in den 50er-Jahren auf dem  Stahlbeton der Wehrmachtslandebahnen fußte, fiel die Kreuzung so überdimensioniert aus, wie sie sich heute darstellt. Sozusagen   ein Geburtsfehler, der auch viel später durch eine eher bescheidene Bauminsel in der Mitte nicht beseitigt werden konnte. Zuletzt wurde die Kreuzung von drei Autofahrer-Gruppen durchfahren: Von denjenigen, die sie fälschlicherweise für einen Kreisverkehr hielten, denjenigen, die sich korrekt verhielten  und denjenigen, die die Markierungen ignorierend die superbreiten Spuren nutzten, um geradeaus durchzubrettern.  Wenn die Stadt jetzt die Gelegenheit nutzt, die Kreuzung wieder auf ein normales, überschaubares Maß zurückzustutzen, dürfte das auch denjenigen entgegenkommen, die immer auf eine Verkehrsberuhigung  gedrängt haben.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 04.Mär.2016 | 08:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen