Altes Handwerk in Neumünster : Röstkunst an der Kieler Straße

Svenja Thomas (von rechts), ihr Vater Ronald Röse und Ehemann Matthias Thomas spüren der Hitze des Röstprozesses nach. In der großen Trommel wird der Kaffee mit Luft getrocknet.
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Svenja Thomas (von rechts), ihr Vater Ronald Röse und Ehemann Matthias Thomas spüren der Hitze des Röstprozesses nach. In der großen Trommel wird der Kaffee mit Luft getrocknet.

Bei Holstein Kaffee wird in Handarbeit und ohne technisches Gedöns bekömmlicher Fairtrade-Kaffee geröstet.

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21. Februar 2018, 08:30 Uhr

Neumünster | Mindestens einmal in der Woche dringt intensiver Kaffeeduft durch das Hinterhaus an der Kieler Straße 81. Dann ist Rösttag bei Holstein Kaffee, einer der wenigen Familienröstereien in Norddeutschland.

Kaffee geröstet wird hier seit 1931, als Johannes Suhren die „Holsteinische Großrösterei J. Suhren KG“ gründete. Mit Enkelin Svenja Thomas und ihrem Mann Matthias führt die dritte Generation das Geschäft. Svenja Thomas’ Vater Ronald Röse ist eigentlich gelernter Textilingenieur, in der Rösterei aber der Aktivist.

„Der Name Großrösterei Suhren passte vielleicht vor Jahrzehnten. Heute rösten die Großen der Branche etliche Tonnen pro Stunde“, sagt Röse. Bei Holstein Kaffee sind es etwa 2 Tonnen in der Woche, und alles in Handarbeit. Svenja Thomas: „Unser Motto ist ‚Röstfrisch mit Hand und Herz‘. Wir rösten nie mehr als wir verkaufen. Das schätzen die Kunden, und das ist auch zu schmecken und zu riechen.“

Verarbeitet werden fair gehandelte Arabica-Sorten aus Mittel- und Südamerika sowie Afrika. Robusta sei zwar billiger, aber von der Qualität längst nicht so gut, sagt Röse. Holstein Kaffee unterstützt unter anderem auch ein durch den Kaffeehandel finanziertes Schulprojekt in Mexiko und mit dem Frauen-Kaffee eine Plantage in Nicaragua, die von 20 Farmerinnen betrieben wird.

Das Ziel der Röster aus Neumünster ist ein milder und bekömmlicher, das heißt säurearmer Kaffee. Röse: „Da steckt viel Erfahrung drin, und natürlich ist die Qualität des Rohkaffees wichtig. Kaffee ist ein Naturprodukt, das jeweils individuell auch beim Rösten behandelt werden muss.“

Holstein Kaffee setzt hier auf Blends, also Mischungen verschiedener Sorten, um einen annähernd konstanten Geschmack liefern zu können. „Das ist bei reinen Sorten nicht möglich. Da schmeckt jeder Kaffee mit jeder Ernte anders, je nach Niederschlag und Sonnenstunden“, sagt Röse.

Je nach Sorte dauert der Röstprozess 12 bis 18 Minuten. „Alles ohne moderne Sensoren und technisches Gedöns. Das Ergebnis hängt auch von äußeren Faktoren ab. Wärme, Feuchtigkeit, Luftdruck spielen da eine Rolle“, sagt Svenja Thomas.

Wenn der Kaffee fertig geröstet ist, wird er in einem großen Auffangsieb mit Luft gekühlt. Svenja Thomas: „Es dauert ein bis zwei Tage, bis sich die Poren nach dem Rösten schließen. In der Industrie wird oft mit Wasser gekühlt. Dabei nimmt die Bohne Wasser auf und wird wieder schwerer.“

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