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Holsteinischer Courier

22. November 2017 | 13:56 Uhr

Pferdezucht : Rockys haben den vierten Gang

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Latendorf gibt es das einzige Gestüt im Land mit Rocky-Mountain-Pferden / Michael Kowalewski hat seine Tiere aus den USA geholt

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2015 | 17:00 Uhr

Latendorf | Sie ist wirklich eine Schönheit: Auf schlanken Fesseln schwebt sie förmlich über die Koppel, ihre blonden Haare wehen im Wind, und als sie neugierig vor der unbekannten Besucherin steht, fühlt die einen warmen Atem und die samtene Weichheit ihrer Nüstern. Amazing Grace ist ein vierjähriges Rocky-Mountain-Horse und lebt mit elf weiteren Pferden auf einem Gestüt in Latendorf. Es ist das einzige Gestüt dieser besonderen Pferderasse in Schleswig-Holstein.

Der Inhaber ist Michael Kowalewski (50). Er hat im Winter 2011 drei tragende Stuten aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Arizona einfliegen lassen und mit ihnen seine Zucht in Norddeutschland gegründet. „Sie sind wirklich anders als alle anderen Tiere, die ich kannte“, sagt der Besitzer der „Breeder’s Pride Ranch“ überzeugt. Liebevoll tätschelt Michael Kowalewski den Kopf der Stute und erzählt, warum ihn diese Pferde so faszinieren: „Sie sind sehr menschenbezogen und gutmütig. Außerdem sind die Rockys leichtführig, unerschrocken und robust. In den USA haben sie früher Kutschen gezogen, aber auch die Kinder zur Schule gebracht. Es sind wirklich Pferde für Jedermann.“

Tatsächlich ist es ein besonderes Erlebnis, diesen ruhigen, maximal 160 Zentimeter in der Schulterhöhe messenden Tieren auf der Weide zu begegnen. Neugierig, aber freundlich kommen sie auf Gäste zu, beschnuppern sie und folgen ihnen treu wie Hunde. Besonders süß sind die drei in Latendorf geborenen Fohlen der Herde, gezeugt von Diamond plated, dem Gestütshengst mit seinem seltenen blau-grauen Fell.

Der Amerika-Fan Kowalewski hat laut eigener Aussage einen „Wild-West-Spleen“. Da ihm auch eine Herde Highland-Rinder in Latendorf gehört, setzt er seine Rockys in Cowboymanier auch bei der Rinderarbeit ein. Ohne Gewalt, versteht sich, das heißt auch unter Verzicht des traditionellen „Roping“, bei dem die Rinder mit einem Lasso gewürgt werden.

Zum Reiten ist Kowalewski erst gekommen, als er schon Ende 30 war. „Auf den Rockys fühlt man sich wie in einer Ruhezone“, meint der gebürtige Hamburger, der hauptberuflich Geschäftsmann ist. Das liegt an dem vierten Gang, den die Pferde neben Schritt, Trab und Galopp noch zu bieten haben. Um diesen besonders reiterfreundlichen „Gait“ kümmert sich der Ausbilder Tilman Gromnica, ein früherer Trabrenntrainer aus Berlin. Auch er ist den Rockys verfallen und schätzt ihr freundliches Wesen: „Sie tragen einen alten Mann so sicher wie ein kleines Kind.“ Daher wollen die Pferdefreunde die Tiere artgerecht halten und lassen sie auf dem sechseinhalb Hektar großen Areal selbst entscheiden, ob sie in den Stall gehen oder draußen grasen wollen.

„Die Gangpferde werden populär, es kann sich hier ein Markt entwickeln“, meint er. „Wir zielen auf einen Nachwuchs von vier Fohlen pro Jahr. Und obwohl wir züchten, um zu verkaufen, kommt es uns nicht aufs Kommerzielle an“, sagt er und fügt hinzu, dass ihm die Trennung von jedem einzelnenn Tier schwer fällt. Gerade erst hat er vier Pferde verkauft. Der gelernte Pferdewirtschaftsmeister Tilman Gromnica fasst den sorgsamen Umgang mit den treuen Tieren so zusammen: „Wir wollen sie nicht enttäuschen.“ 


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