Neumünster : Rockiges Statement gegen Rechts

Heinz Ratz engagiert sich gegen Fremdenfeindlichkeit.
Heinz Ratz engagiert sich gegen Fremdenfeindlichkeit.

Heinz Ratz und die Band „Strom und Wasser“ gaben ein Konzert im AJZ.

shz.de von
24. März 2018, 08:17 Uhr

Mit lustigen und ironischen politischen Songtexten sorgte Heinz Ratz zusammen mit seiner Band „Strom und Wasser“ für eine ausgelassene Stimmung im Haus Aktion Jugendzentrum (AJZ). „Laut gegen Nazis“ war das Motto des Konzerts, zu dem rund 40 Jugendliche und Erwachsene kamen. Veranstalter war der Verein Toleranz und Zivilcourage.

„Wir wollen mit unserer Musik den Leuten zeigen, dass alle Menschen gleich ticken“, erzählte Sänger und Bassist Heinz Ratz. Er selbst hatte in seiner Jugend eine rechte Phase. Doch als sein Vater ihn mit 16 Jahren in Argentinien in ein Internat brachte, wurde ihm bewusst, dass er seine Gedanken über die Welt nochmal revidieren musste.

Heute ist Ratz fest in der linken Szene verankert und setzt sich für politische Themen ein. So sammelte er beispielsweise durch einen Triathlon Spenden für Obdachlose und ging mit Musikern, die aus ihren Heimatländern nach Deutschland geflüchtet waren, auf Tournee. „Als in Deutschland Pegida und die AfD groß wurden, konnte ich nicht mehr länger zusehen und musste etwas tun“, blickte Ratz zurück.

Er gründete das Büro für Offensivkultur (BOK), ein bundesweites Netzwerk aus Künstlern mit rund 20 000 Anhängern. „Wenn beispielsweise die NPD zur einer Demo aufruft, treten wir auf der Gegendemo auf. In solchen Notfällen ist irgendwer aus dem Netzwerk sofort da und spielt – egal, wo die Demo ist“, erklärte er.

Auch in Neumünster wollten sich die Musiker während der internationalen Woche gegen Rassismus engagieren. Am Vormittag besuchte Ratz die Gemeinschaftsschule Faldera und diskutierte mit den achten Klassen über politische Themen wie die Flüchtlingskrise. Abends brachte er mit dem Gitarristen Ingo Hassenstein und dem Schlagzeuger Burkart Ruppaner die Jugendlichen zum Tanzen, Lachen und auch Nachdenken. Ihr Musikmix – „Ska-Punk-Polka-Randfiguren-Walzer-Rock mit stark kabarettistischer Schlagseite“, wie sie es nennen – kam gut an.

„Mir ist dieser Rechtsschwung in der Gesellschaft ein wichtiges Anliegen“, meinte Lone Briesemeister (19) aus Bordesholm, die öfter zu politischen Veranstaltungen geht. Auch Zoubaa Almarzouk (33) war von dem Abend begeistert. Als Flüchtling kam er vor zwei Jahren nach Neumünster. „Mir war es wichtig, dass ich mich schnell integriere. Ich bin schließlich noch jung und brauche kein Arbeitslosengeld“, erzählte er. Doch dafür muss er erst einmal sein Betriebswirtschaftsstudium in Hamburg beenden. Für Rassismus hat er kein Verständnis: „Jeder kann seine Meinung haben, aber warum muss man fremdenfeindlich sein? Wir sind doch auch nur Menschen.“

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