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Gerichtsbericht : Rockerprozess: Freispruch für Peter Borchert

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Das Landgericht in Kiel verhängte eine Haftstrafe und zwei Freisprüche.

von
erstellt am 09.Jun.2015 | 05:30 Uhr

Neumünster | Nach fast vier Monaten ist gestern Mittag vor dem Kieler Landgericht der Prozess gegen drei Männer aus dem Milieu der Rockergruppe „Bandidos“ mit einer Verurteilung und zwei Freisprüchen zu Ende gegangen. Alexander H. (35), einst Mitglied der im Frühjahr 2010 verbotenen „Bandidos Neumünster“, wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Sein langjähriger Weggefährte aus der Neonazi-Szene Peter Borchert (41), der von Frühjahr 2001 bis August 2003 als NPD-Landesvorsitzender fungierte und später ebenfalls „Bandidos“-Mitglied wurde, wurde freigesprochen. Gleiches gilt für Nils H. (33), der zu den Unterstützerkreisen der Rocker gezählt wird.

Angeklagt war eine gefährliche Körperverletzung aus den Hochzeiten des Rockerkrieges zwischen den damals in Neumünster ansässigen „Bandidos“ und den konkurrierenden „Hells Angels“ (der Courier berichtete) . Demnach soll das Trio am 8. Dezember 2009 in die Gaststätte Titanic an der Friedrichstraße gestürmt sein, wo gerade ein Dart-Turnier stattfinden sollte. Offenbar vermuteten die Männer dort „Hells-Angels“-Sympathisanten. Laut Anklage soll Peter Borchert an der Tür Schmiere gestanden haben, während die beiden Mitangeklagten mit Fäusten und einem Gürtel auf einen Spieler einschlugen.

Während Borchert und Nils H. vor Gericht schwiegen, ließ Alexander H. seinen Anwalt seine Sicht der Dinge erläutern und entlastete seine beiden Mitangeklagten dabei komplett. Beide seien nicht dabei gewesen. Er selbst habe zwei Mal zugeschlagen – dann sei er gegangen.

Aufgrund dieses Geständnisses verurteilte ihn die Kammer gestern zu einem Jahr Haft, wobei vier Monate wegen der langen Verfahrensdauer als verbüßt gelten. Außerdem soll er dem Opfer, das nach wie vor unter gesundheitlichen Problemen leidet, die Schäden ersetzen.

Für eine mögliche Tatbeteiligung der anderen beiden Männer gab es laut Kammer „keine objektiven Beweise“. Während die Anklage ihre Vorwürfe auf die Aussagen des Titanic-Wirts und seines Sohnes stützte, der damals ebenfalls in den „Bandidos“-Kreisen verkehrte, reichten dem Gericht deren Angaben für eine Verurteilung nicht aus.

Mit den Freisprüchen folgte die Kammer den Forderungen der Verteidigung, die an den beiden Hauptbelastungszeugen starke Zweifel gehegt hatte, nachdem insbesondere der Wirt mehrfach seine Aussage geändert hatte. Der Anwalt von Alexander H. hatte für seinen Mandanten zuvor eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für angemessen erachtet.

Der Staatsanwalt hatte für alle drei Angeklagten Haftstrafen über ein Jahr gefordert, wobei er für Peter Borchert und Nils H. Bewährungsstrafen für angebracht hielt. Außerdem hatte der Ankläger auf Schmerzensgeldzahlungen von jeweils 3000 Euro plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Inwieweit sich der Freispruch von Peter Borchert auf die Rockerszene auswirken wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Er ist nach wie vor „Bandido“. Als er Mitte April aus seiner jüngsten Strafhaft entlassen wurden, holten ihn Weggefährten aus der Szene aus der JVA Lübeck ab und stellten ein Foto davon ins Internet.

 

 

 

 

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