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Bandidos gegen Hells Angels : Rocker-Schlägerei in Neumünster: Zwei Freisprüche, eine Haftstrafe

vom

Ein Ex-Bandidos-Mitglied hält das Gericht für schuldig, einen Mann im Jahr 2009 brutal verletzt zu haben.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2015 | 15:58 Uhr

Kiel | Nach einer Rocker-Schlägerei in Neumünster hat das Kieler Landgericht einen früheren NPD-Funktionär und einen weiteren Angeklagten vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Nur den dritten Angeklagten hielt das Gericht für schuldig, am 8. Dezember 2009 in der Gaststätte Titanic an der Friedrichstraße in Neumünster einen Dart-Spieler brutal zusammengeschlagen zu haben. Es verurteilte den 35-Jährigen am Montag zu einem Jahr Freiheitsstrafe ohne Bewährung.

Die Tat in Neumünster ereignete sich während des damaligen sogenannten Rocker-Krieges zwischen Bandidos und Hells Angels. Die Rocker-Szene in Schleswig-Holstein ist nach Angaben des Landeskriminalamtes seit den Verboten ruhig und unter ständiger Beobachtung.

Alle drei Angeklagten stammen aus dem Milieu der Rockergruppe „Bandidos“. Die „Bandidos Neumünster“ sind seit 2010 verboten. Das Opfer sollen die Männer den verfeindeten und inzwischen ebenfalls verbotenen Hells Angels zugerechnet haben. Der damals 45-Jährige leidet noch heute an den Folgen der Tat. 

Mit dem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung des Staatsanwalts. Er hatte für die Angeklagten Haft- und Bewährungsstrafen gefordert. Nach Auffassung des Gerichts steht nach elf Verhandlungstagen nur der 35-jährige Angeklagte als Schläger fest. Seine Mittäter hätten in der Beweisaufnahme nicht identifiziert werden können, sagte der Vorsitzende Richter. Belastende Aussagen zweier Zeugen seien so unklar und widersprüchlich gewesen, dass die Mitangeklagten freizusprechen waren. Andere Zeugen hätten nichts gesehen oder nichts sehen wollen. Es bestünden erhebliche Zweifel, dass sich die Schlägerei so abspielte, wie in der Anklage zugrunde gelegt. 

Laut Urteil gelten vier Monate der verhängten Freiheitsstrafe als bereits verbüßt, auch wegen der langen Verfahrensdauer. Strafmildernd wurde auch das Geständnis des Mannes gewertet sowie seine Entschuldigung beim Opfer, sagte der Richter. Der vorbestrafe Angeklagte müsse sich nun noch wegen einer Rocker-Schlägerei in Flensburg verantworten.

Der Staatsanwalt sprach von einem nachvollziehbaren Urteil. Der Verteidiger des 35-Jährigen will eine Revision prüfen.

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