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„Bandidos Neumünster“ : Rocker-Prozess: Der Angriff dauerte nur Minuten

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Im Rocker-Prozess vor dem Kieler Landgericht schilderten Zeugen die brutalen Schläge in der Neumünsteraner Gaststätte Titanic.

Neumünster | Haben im Rocker-Prozess vor dem Kieler Landgericht einige Zeugen Angst vor den Angeklagten? Diesen Verdacht scheint zumindest der Staatsanwalt zu haben. Am Donnerstag fragte der Jurist deshalb mehrfach nach. Ein Zeuge gab seine Bedenken während der Aussage sofort zu.

Drei Männer aus dem Milieu rund um die mittlerweile verbotenen „Bandidos Neumünster“ müssen sich mehr als fünf Jahre nach einer brutalen Schlägerei in der Gaststätte Titanic an der Friedrichstraße wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Am 2. Dezember 2009 soll das Trio in der Kneipe, die als Treff von Neonazis und „Bandidos“ gilt, einen Mann aus Kiel (45) angegriffen und schwer verletzt haben. Der Kieler wollte dort laut Anklage mit seinem Club „DC Other Place“ an einem Dart-Turnier teilnehmen. Offenbar brachten die Neumünsteraner Rocker ihn mit den verfeindeten „Hells Angels“ in Verbindung.   

Laut Anklage sicherte der ehemalige NPD-Landesvorsitzende und spätere „Bandido“ Peter Borchert (41) gegen 19.45 Uhr die Eingangstür. Sein Mitangeklagter Alexander H. (34) soll dem Opfer Faustschläge versetzt haben. Nils H. (33) soll dem Kieler den Gürtel abgenommen und ihn damit verdroschen haben. Der Mann erlitt einen Nasenbeinbruch, Schwellungen und Augenverletzungen und tritt in dem Prozess als Nebenkläger auf.

Am Donnerstag schilderte ein Dart-Kollege des Verprügelten, wie beim Warmspielen plötzlich eine Gruppe Männer in den Raum stürmte. „Ich habe meinen Kopf geduckt, um mich zu schützen. Vor mir standen mehrere Männer und versperrten mir die Sicht. Ich hörte nur Schläge und die Worte ‚Du bist in der falschen Stadt‘. Ein paar Minuten später waren sie weg“, schilderte der Zeuge den Überfall. Die Männer auf der Anklagebank erkannte er nicht. Angst habe er vor ihnen aber nicht, hieß es.

Ein ehemaliger Stammgast hingegen machte durchaus deutlich, dass er sich davor fürchte, die Angeklagten einmal wiederzutreffen. „Ich habe nach einer Aussage früher mal schlechte Erfahrungen gemacht“, meinte er. Der Mann, der zeitweilig für den Wirt die Konzession für die Kneipe übernommen hatte, saß am besagten Abend mit seinem Bier am Tresen. Als die Angreifer in den Laden stürmten, will er sitzen geblieben sein. „Ich hörte nur einen Tumult. Ich weiß nicht, was da los war“, erklärte er.

Der Gastwirt hatte bereits am vorigen Verhandlungstag die Version der Anklage bekräftigt. Daraus ergab sich jedoch ein Widerspruch: Während er sich einst bei der Polizei nicht sicher war, ob Peter Borchert bei der Tat mit von der Partie war, erinnerte der Mann sich jetzt an  ihn, wie er die Kneipentür sicherte. Als Grund für die Diskrepanz gab der Zeuge an, er habe erst Bedenken gehabt, die Wahrheit zu sagen. Die Verteidigung zweifelt diese Begründung an. Der Prozess wird fortgesetzt.

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erstellt am 27.Feb.2015 | 07:00 Uhr

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