Polizeibericht : Rocker-Clubs feierten mit 500 Gästen

Wer zur Party wollte, wurde von der Polizei erst einmal genau durchsucht.
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Wer zur Party wollte, wurde von der Polizei erst einmal genau durchsucht.

Mehrere hundert Polizisten überwachten die Feier der „Red Devils“ aus Neumünster und Flensburg. Die Großkontrolle dauerte bis tief in die Nacht.

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10. Juni 2014, 04:00 Uhr

Neumünster | Mit einem Großaufgebot sicherte die Polizei in der Nacht zu Sonntag eine Rockerparty im Clubheim der „Red Devils“ an der Gutenbergstraße. Dort feierte der Club aus Neumünster mit den „Red Devils Flensburg“ das fünfjährige Bestehen mit Live-Musik und Go-go-Girls. 500 Gäste aus der Rockerszene waren der Einladung gefolgt und reisten mit Harleys oder dem Auto aus dem ganzen Bundesgebiet sowie aus den Niederlanden an.

Die „Red Devils“ gehören zum Unterstützerkreis der „Hells Angels“ und haben seit der Schwächung der Höllenengel durch Vereinsverbote in Flensburg und Kiel für die Szene durchaus an Bedeutung im Norden gewonnen. Gegründet wurden die Clubs in Flensburg und Neumünster zur Hochzeit des Rockerkriegs mit den verfeindeten „Bandidos“ – eben vor fünf Jahren.

Die Sicherheitsvorkehrungen für die Geburtstagsparty waren deshalb entsprechend hoch. Die Gäste aus der Rockerszene wurden bereits seit dem Nachmittag von rund 300 Polizeibeamten erwartet. Das Gelände war großräumig abgeriegelt. Vor der Feier hatten Beamte der Polizeidirektion Neumünster und der Einsatzhundertschaft aus Eutin das Clubhaus penibel durchsucht. Jeder, der zur Party wollte, wurde kontrolliert. So wurden die Personalien der Rocker aufgenommen, der Polizeicomputer befragt, Fotos der unterschiedlichen Kutten gemacht und die Fahrzeuge genau unter die Lupe genommen. „Es können gleichzeitig 14 Fahrzeuge kontrolliert werden. Keiner darf sich in der Kontrollstelle frei bewegen“, erklärte ein Beamter. Vermummte und schwer bewaffnete Polizisten der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit beobachteten das Geschehen rund um die Anreise genau. Für die weiblichen Party-Gäste waren eigens Zelte aufgestellt worden, um sie bei der Durchsuchung keinen neugierigen Blicken auszusetzen.

„Zur Gefahrenabwehr wurden zwei Messer, ein Tierabwehrspray, Schreckschussmunition sowie illegale Pyrotechnik sichergestellt“, erklärte Polizeisprecher Rainer Wetzel. Der Besitzer der Pyrotechnik bekommt jetzt eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Neben Waffen hatten die Polizeibeamten auch ein besonderes Augenmerk auf die Kutten der Anreisenden, zumal nach dem jüngsten Urteil des Oberlandesgerichts Hamburg Kutten mit dem Vereinswappen der „Hells Angels“ oder dem Schriftzug nicht mehr ohne Weiteres erlaubt sind. Doch das hat sich offenbar auch in der Szene rumgesprochen. Eine Abordnung der ehemaligen „Hells Angels Kiel“ erschien zu späterer Stunde ohne Kutten auf dem Festplatz. „Insgesamt verlief die Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse“, erklärte Polizeisprecher Rainer Wetzel nach einer langen Nacht für die Einsatzkräfte. Das Zelten auf dem Gelände war den Feiernden bereits vorab untersagt worden.

Beobachtet wurde das Geschehen an der Gutenbergstraße nicht nur von Anwohnern und Kunden des nahen Supermarkts. Auch Rocker aus dem Umfeld der verfeindeten „Bandidos“ fuhren mehrfach vorbei.

Kommentar:

Die Rivalitäten sind nicht verschwunden

„Was soll das? So viele Polizisten? Dabei feiern die Rocker doch immer ganz friedlich!“ Die Meinung vieler Zaungäste zum Polizeiaufgebot bei der „Red-Devils“-Party war eindeutig. Mancher ließ sich sogar dazu hinreißen, über  „verschwendete Steuergelder“  zu lamentieren. Doch das ist sicher zu kurz gedacht.

Welch enormes Gefahrenpotenzial von der Rockerszene ausgehen kann, haben die Neumünsteraner vor gar nicht langer Zeit  vor der eigenen Haustür miterleben müssen, als hier „Bandidos“ und „Hells Angels“- Sympathisanten aufeinander losgingen.  Auch wenn es zurzeit ruhig ist: Die Rocker jeglicher Couleur und ihre Rivalitäten sind keineswegs von der Bildfläche verschwunden. Das war auch auf der Party zu sehen: Ehemalige „Hells-Angels“-Größen tauchten ebenso auf  wie die Kontrahenten, die  in sicherer Entfernung auf Motorrädern vorbei knatterten. Dazwischen  stand die Polizei. Zum Glück!

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