zur Navigation springen

Konzert im Knast : Rocken für die schweren Jungs

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Biggs B Sonic gaben ein Konzert für knapp 70 Insassen der Justizvollzugsanstalt . Häftlinge wurden mit auf die Bühne geholt

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 08:10 Uhr

Neumünster | Auch Häftlinge brauchen Abwechslung von ihren normalen Alltag. Um das zu gewährleisten, wurde der Verein „Kultur hinter Mauern“ gegründet. Dieser organisiert Konzerte und andere künstlerische Aufführungen in Justizvollzugsanstalten. Gestern war die Band Biggs B Sonic zu Gast in der JVA und spielte 90 Minuten für die Insassen.

„Wir machen so etwas hier regelmäßig“, sagt Anstaltsleiterin Yvonne Radetzki. Der Sinn dahinter ist einfach: Den Häftlingen soll so die Möglichkeit gegeben werden, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten. Gestern wurde diese in denBesuchsraum der Justizvollzugsanstalt verlegt – die ehemalige Kapelle bietet eine grandiose Akustik für die Band Biggs B Sonic, die mal laut und schrill, mal sehr melodisch und ruhig spielte.

„Für uns ist das ein normaler Auftritt“, sagt Karsten Jordt (Gesang/ Gitarre). Man wolle einfach, egal, wo man spiele, gute Laune verbreiten, fügte Bastian Gregor (Schlagzeug) hinzu. „Wir glauben an das Gute in den Menschen“, betonte Claus Aktoprak (Kontrabass) in Anspielung auf das besondere Publikum.

Zu dritt spielten die Musiker Klassiker aus 60 Jahren Rockgeschichte. Dabei wurden die Pausen auch für den einen oder anderen Spaß genutzt. So stimmte Jordt die ersten Akkorde des berühmten Titels „Smoke on the Water“ von Deep Purple an. In dem Moment, als das Publikum den Gitarrenriff mitzugrölen begann, brach er ab, lachte und sagte: „Tut mir leid, weiter weiß ich auch nicht.“ Diese offene und humorvolle Art zu spielen brachte den Berufsmusikern viele Sympathien ein.

„Die machen das echt gut. Aber sie könnten mal was von Johnny Cash spielen“, sagte einer der Insassen. Nur Minuten später erfüllten sie ihm den Wunsch. „Das war richtig toll“, sagte der Mann anschließend erfreut.

Der Höhepunkt des Konzerts war jedoch, als Jordt die Insassen fragte, ob einer von ihnen Musik machen könnte. Sofort sprang ein Insasse auf und lief zur Bühne. Er legte ein Schlagzeugsolo hin, bei dem sogar die Profimusiker große Augen bekamen. Sobald sie einen Takt erkannten, sprangen Jordt und Aktoprak ein und spielten, bis ihr neuer Schlagzeuger nicht mehr konnte. Während des Stücks spendeten die anderen tosenden Beifall. „Ich wusste gar nicht, dass er so gut am Schlagzeug ist“, zeigte sich auch Yvonne Radetzki überrascht. Der reguläre Schlagzeuger Bastian Gregor war beeindruckt und verabschiedete den „Kollegen“ mit Handschlag.

„Wir wollen mit der Musik Freude bringen. Deshalb holen wir auch mal einen Gast auf die Bühne“, sagte Jordt. Dabei sei es ihnen egal, ob sie vor mehreren Tausend Leuten spielten oder eben vor 70 Insassen in der JVA. „Rockabilly ist lebensbejahend und fröhlich. Das passt überall hin“, erklärte Gregor. Die Musiker gaben alles bis zum Letzten und erfüllten auch immer gerne Wünsche ihrer Zuhörer. Am Ende schlossen sich die schweren Türen wieder hinter den Häftlingen – der Alltag war wieder da.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen